Blogarchiv
Raumfahrt-History - 26.08.1978: 1.Deutscher Kosmonaut Sigmund Jähn auf Salyut-6

.

19.10.2015

Aus dem CENAP-Archiv:

Sigmund Jähn, 1.Deutscher Kosmonaut mit Soyuz-31

Soyuz-31-Besatzung (mit Sigmund Jähn+Waleri Bykowski, Rechts) und "Ersatz-Besatzung" mit Eberhard Kölner und Viktor Gorbatko

...

Quelle: CENAP-Archiv

-

Update: 13.02.2017

.

Siegmund Jähn 

 

Sigmund Jähn - Der erste Deutsche im All wird 80

Er war der erste Deutsche im Weltall. Der Vogtländer Sigmund Jähn ist auch knapp 34 Jahre nach seinem Flug in den Kosmos sehr populär. 

Sigmund Jähn
Sigmund Jähn heuteBildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der erste deutsche Raumfahrer, Sigmund Jähn, stammt aus dem vogtländischen Morgenröthe-Rautenkranz. Am 26. August 1978 flog er ins Weltall und umrundete an Bord einer sowjetischen Raumstation die Erde. Nach seiner Rückkehr wurde der stets bescheidene und ruhige Mann zum Medienstar und DDR-Volkshelden - wider Willen. Diese Popularität hält bis heute an. Auch nach seinem Ausflug ins All blieb Jähn der Raumfahrt verbunden.

Vom Buchdrucker zum Kosmonauten

Sigmund Jähn wurde am 13. Februar 1937 als Sohn eines Sägewerkarbeiters geboren. Nach seinem Schulabschluss machte er zunächst eine Buchdruckerlehre, bevor er sich 1955 für eine Laufbahn in der Nationalen Volksarmee (NVA) der Deutschen Demokratischen Republik entschied. 

Er schloss die Offiziershochschule ab und wurde einer der ersten Düsenpiloten der DDR-Luftstreitkräfte. Nachdem er sein Abitur nachgeholt hatte, folgte eine weitere Ausbildung an der Militärakademie für Luftstreitkräfte in der Sowjetunion.

Der "fliegende Vogtländer" in Bildern

Sigmund Jähn an Bord der Raumstation während des Überflugs über das Gebiet der DDR am 27. August 1978.
Den Fernsehzuschauern präsentiert Sigmund Jähn einige Gegenstände, die man ihm auf seine Reise mitgegeben hat: Goldmünzen mit den Konterfeis von Marx, Lenin, Thälmann, Wimpel mit dem Emblem der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft und – im Auftrag des DDR-Kinderfernsehens - den Sandmann in einem eigens angefertigten Raumanzug. Jähn hatte den Auftrag, Filmaufnahmen für eine Kindersendung machen.
Der Kommandeur der Raumstation, Wladimir Kowaljonok, der seinerseits das russische Maskottchen, eine Braunbärin namens Mascha, dabei hatte, verfiel auf die Idee, seine Mascha mit Jähns Sandmann zu verheiraten. Doch die Leute vom Kinderfernsehen waren gar nicht begeistert, schließlich konnten sie den Kindern schlecht einen verheirateten Sandmann vermitteln.
Wenn die Crew von Sojus 31 auf Sendung war, mussten stets die Fotos der beiden Staatschefs, Leonid Breschnew und Erich Honecker, gut sichtbar aufgestellt sein.
Sigmund Jähn während einer Ansprache in russischer Sprache.
Sigmund Jähn präsentiert die „Multispektralkamera MKF 6“, das Highlight der DDR-Raumfahrtentwicklungen. Das hochpräzise optische Instrument war vom VEB Carl Zeiss Jena 1975 entwickelt worden. Das Auflösungsvermögen der Multispektralkamera übertraf die damals besten Luftbildkameras um den Faktor 2,5. Aus 600 Kilometern Höhe waren noch Objekte von zehn Metern Größe erkennbar.
Sigmund Jähn bei seinem letzten Auftritt vor der Kamera am 2. September 1978. Am nächsten Tag erfolgte der Rückflug.
Alle (7) Bilder anzeigen 

Als im Rahmen des "Interkosmos-Programms" erstmals ein deutscher DDR-Kopilot auf einem sowjetischen Raumschiff mitfliegen sollte, kam Jähn in die engere Wahl. Zwei Jahre wurde er im sowjetischen Kosmonautenzentrum "Sternenstädtchen" bei Moskau auf seinen Weltraumflug vorbereitet. 

Am 26. August 1978 war es schließlich soweit: Zusammen mit dem Sowjetoberst Waleri Bykowski startete der NVA-Offizier mit der Rakete "Sojus 31" ins All, die einen Tag später an die Orbitalstation "Saljut 6" ankoppelte. Dort führte Jähn zahlreiche wissenschaftliche Experimente durch. Gefragt nach seinen stärksten Eindrücken schwärmte er vom Blick auf die in leuchtendes Blau gehüllte Erde, den Polarlichtern und der Erfahrung der Schwerelosigkeit.

Nach acht Tagen und 125 Erdumkreisungen kehrte die Sojus-31-Besatzung auf die Erde zurück. Bei der unerwartet harten Landung in der kasachischen Steppe erlitt er einen bleibenden Wirbelsäulenschaden, der allerdings auf Anweisung der DDR-Führung verschwiegen wurde.

Volksheld wider Willen

Der Konvoi in der Karl-Marx-Allee.
Die DDR nutzte ihren Kosmonauten für eine riesige Porpagandaschlacht aus.Bildrechte: DRA

Nach seinem Weltraumausflug wurde Sigmund Jähn über Nacht zu einem der bekanntesten Gesichter des Sozialismus. Es folgten Orden, Ehrenbürgerschaften, Jubelrundreisen und Empfänge. Zahlreiche Schulen und andere öffentliche Einrichtungen in der DDR wurden nach Jähn benannt, in seinem Heimatort wurde ihm eine heute noch existierende Raumfahrtausstellung gewidmet. Jähn selbst war der Rummel nach eigener Aussage eher peinlich. Der zweifache Familienvater blieb bescheiden und erwarb sich damit Sympathie und Respekt - bis heute. Vor einem öffentlichen Auftritt in Berlin-Köpenick im Januar standen seine Fans Schlange am ausverkauften Kino Union. Unterm Arm Jugendweihe-Geschenkbücher mit Jähns Foto und leicht vergilbte Ausgaben der Zeitung "Neues Deutschland".

Der Raumfahrt bis heute verbunden

Nach der Wiedervereinigung wurde der Armee-General zwar entlassen, aber sein Insiderwissen über die russische Raumfahrt war weiter gefragt. Der in Strausberg bei Berlin lebende Jähn arbeitete als Berater für die Deutsche Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die europäische Raumfahrtagentur ESA.

Mirko Drotschmann

Zeitreise Spezial | 12.02.2017 | 22:25 Uhr 

Sigmund Jähn und die Helden der Sterne - ein Themenabend mit Mirko Drotschmann Sigmund Jähn, das Kosmonatenfieber und Juri Gagarin.

Quelle: mdr

 -
 Update: 13.02.2017

BIOGRAFIE VON SIGMUND JÄHN

Sigmund Jähn war der erste Deutsche im All. Der damalige DDR-Bürger wurde von 1976 bis 1978 in der UdSSR zum Kosmonauten ausgebildet und flog am 26. August 1978 mit Sojus 31 zur Raumstation Saljut 6. Am 3. September 1978 kehrte er mit Sojus 29 wieder zur Erde zurück. Er blieb der Raumfahrt treu und arbeitete nach dem Zusammenbruch des Ostblocks für die ESA und das DLR als Berater.

Am 13. Juli 1976 bot die damalige UdSSR ihren am Interkosmos-Programm beteiligten Partnerländern den Mitflug eigener Kosmonauten in Sojus-Raumschiffen zur Orbitalstation Saljut 6 an. Die ehemalige Deutsche Demokratische Republik (DDR) schickte am 10. November 1976 vier Kandidaten ins Kosmonautenausbildungszentrum des Sternenstädtchens bei Moskau, darunter auch Sigmund Jähn.

Kosmonautenkarriere

Am 25. November 1976 wurde Sigmund Jähn zusammen mit seinem späteren Double Eberhard Köllner für die Ausbildung zum Kosmonauten ausgewählt. Beide nahmen am 4. Dezember 1976 das Basistraining auf, dass sie ab Januar 1977 mit den ihnen zugewiesenen russischen Kommandanten fortsetzten. Vom 22. August 1977 bis zum 9. August 1978 fand schließlich das missionsspezifische Training statt.

 Am 26. August 1978 startete der damalige DDR-Bürger Sigmund Jähn als erster Deutscher ins All. Zusammen mit Kommandant Waleri Bykowski flog er als Forschungskosmonaut an Bord des Raumschiffes Sojus 31 zur Raumstation Saljut 6. In der Station führte Jähn 25 Experimente aus den Bereichen Fernerkundung der Erde, Medizin, Biologie, Materialwissenschaften und Geophysik durch. Bei der Fernerkundung kam auch die in Saljut 6 stationierte DDR-Multispektralkamera MKF-6M zum Einsatz. Am 3. September 1978 kehrten Jähn und Bykowski nach 124 Erdumkreisungen und einer Flugdauer von sieben Tagen, 20 Stunden und 49 Minuten mit dem Raumschiff Sojus 29 wieder zur Erde zurück.

Nach dem Flug

Nach seinem Raumflug wurde Sigmund Jähn Chef des neu geschaffenen Zentrums für Kosmische Ausbildung bei den Luftstreitkräften der Nationalen Volksarmee (NVA) in Eggersdorf bei Strausberg. Die Funktion hatte er bis zum Beitritt der DDR zur Bundesrepublik inne. Daneben promovierte er 1983 am Zentralinstitut für Physik der Erde in Potsdam mit einem Thema zur Fernerkundung der Erde.

 Maßgeblichen Anteil hatte Jähn auch an der Schaffung der Association of Space Explorers (ASE), der Internationalen Vereinigung der Raumfahrer. Als Gründungsmitglied von 1985 gehörte er jahrelang deren Exekutivkomitee an.

 Am 2. Oktober 1990 wurde die NVA der DDR aufgelöst und Jähn im Range eines Generalmajors aus der Armee entlassen. Danach war er im Kosmonautenausbildungszentrum bei Moskau als freier Berater für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) tätig, ab 1993 auch für die Europäische Weltraumorganisation ESA. Hier betreute er  die deutschen und europäischen Astronauten bei den Vorbereitungen für die Missionen Mir-92 (Klaus-Dietrich Flade und Reinhold Ewald), Euromir-94 (Ulf Merbold und Pedro Duque/Spanien), Euromir-96 (Thomas Reiter und Christer Fuglesang/Schweden) sowie Mir-97 (Reinhold Ewald und Hans Schlegel).

 Bis 2002 blieb Jähn als ESA-Berater im Sternenstädtchen. Dann ging er in den Ruhestand, wirbt aber bis heute landesweit bei Veranstaltungen, Vorträgen und Foren weiter für den Raumfahrtgedanken.

Persönlicher Werdegang

Sigmund Werner Paul Jähn wurde am 13. Februar 1937 in Morgenröthe-Rautenkranz im sächsischen Vogtland geboren. In seiner Heimatgemeinde besuchte er bis 1951 die Volksschule. Anschließend nahm Jähn im Klingenthal/Vogtland eine Lehre als Buchdrucker auf, die er 1954 erfolgreich beendete. Danach war er kurzzeitig als Pionierleiter an einer Schule in Hammerbrücke/Vogtland tätig.

 Am 26. April 1955 trat Sigmund Jähn den DDR-Luftstreitkräften bei. Er absolvierte zunächst die Grundausbildung und wurde 1956 Offiziersschüler an der Fliegerschule der Luftstreitkräfte der NVA in Kamenz, ab Mai 1957 in Bautzen. Nach zweijähriger Ausbildung versah Jähn ab 1958 seinen Dienst als Pilot in einem NVA-Jagdgeschwader. Von 1961 bis 1963 war er dessen stellvertretender Kommandeur für Politarbeit, ab 1965 Leiter für Lufttaktik und Luftschießen.

 1966 delegierte ihn die NVA zum Studium an die Militärakademie „Juri A. Gagarin“ der Luftstreitkräfte der UdSSR nach Monino bei Moskau, die Jähn 1970 als Diplom-Militärwissenschaftler verließ. Danach war er bis 1976 im Stab der DDR-Luftstreitkräfte als Inspekteur für die Jagdfliegerausbildung und Flugsicherheit zuständig.

 Sigmund Jähn ist verheiratet und Vater zweier Töchter.

Quelle: ESA

---

Update: 26.08.2018

. 

SIGMUND JÄHN: DER ERSTE DEUTSCHE IM ALL (26.08.1978)

Vor vierzig Jahren wurde Sigmund Jähn der erste Deutsche im All. Am 26. August 1978 flog der damalige DDR-Bürger im Rahmen des Interkosmos-Programms der Sowjetunion an Bord der Sojus 31 zur russischen Raumstation Saljut 6.

Jähn startete als Forschungskosmonaut an Bord der Sojus 31 mit seinem Kommandanten, dem Veteranen Valeri Bykovsky. Gemeinsam flogen sie zur Saljut 6, wo Jähn 25 Experimente in den Bereichen Fernerkundung, Medizin, Biologie, Materialwissenschaft und Geophysik durchführte.

Jähn und Bykovsky kehrten am 3. September 1978 mit der Sojus 29 zur Erde zurück, nach 124 Umlaufbahnen und sieben Tagen, 20 Stunden und 49 Minuten im All, woraufhin Jähn den Titel Held der Sowjetunion erhielt.

Wie alles begann

Sigmund Jähn und sein sowjetischer Kommandant Valery Bykovski

Sigmund Jähn wurde am 13. Februar 1937 in Morgenröthe-Rautenkranz im sächsischen Vogtland geboren. Bis 1951 besuchte er die Schule in seiner Heimatstadt, danach machte er bis 1954 eine Ausbildung zum Buchdrucker in Klingenthal. Im Anschluss arbeitete er für kurze Zeit als Pionierjugendleiter an einer Schule in Hammerbrücke.

1955 trat Jähn in die Luftstreitkräfte der Nationalen Volksarmee (LSK) ein. Er absolvierte seine Grundausbildung und wurde 1956 Offiziersschüler an der Fliegerschule der Luftwaffe in Kamenz und ab Mai 1957 in Bautzen. 1958, nach zweijähriger Ausbildung, begann Jähn als Pilot in einer LSK-Jagdstaffel. Von 1961 bis 1963 war er stellvertretender Kommandant für politische Arbeit und ab 1965 Leiter der Lufttaktik und des Luftkampfes.

1966 wurde er von der LSK zum Studium an der Yuri Gagarin Air Force Academy in Monino bei Moskau entsandt. Er schloss 1970 sein Studium der Militärwissenschaften ab. Von 1970 bis 1976 war er in der Verwaltung der DDR-Luftwaffe tätig, wo er für die Pilotenausbildung und Flugsicherheit zuständig war.
Am 13. Juli 1976 bot die Sowjetunion Kosmonautenflüge in die am Interkosmos-Programm teilnehmenden Länder an. Dabei handelte es sich um Sojus-Missionen zur Raumstation Saljut 6. Am 10. November 1976 schickte die ehemalige Deutsche Demokratische Republik (DDR) vier Kandidaten in das Kosmonauten-Trainingszentrum in Star City bei Moskau, darunter Jähn.
Am 25. November 1976 wurde Jähn zusammen mit seinem zukünftigen Ersatzmann Eberhard Köllner für das Kosmonautentraining ausgewählt. Ab dem 4. Dezember absolvierten beide Kandidaten die Grundausbildung und ab Januar 1977 die Weiterbildung bei den ihnen zugewiesenen russischen Kommandeuren. Vom 22. August 1997 bis 9. August 1978 fand eine missionsspezifische Ausbildung statt.

Rückkehr zur Erde und ESA

Sigmund Jähn bei der Verleihung der Urania-Medaille 2017 an ESA-Astronaut Alexander Gerst mit Michael Müller, Bürgermeister von Berlin; Urania; Alexander Gerst; Gabriele Thöne, CEO Urania; Jan Wörner, ESA-Generaldirektor; Ulrich Bleyer, Direktor Urania

Nach seinem Raumflug übernahm Jähn die Leitung des neu geschaffenen Raumfahrt-Trainingszentrums der Luftwaffe in Eggersdorf bei Strausberg und hielt diese Position bis zur Wiedervereinigung Deutschlands. Am 2. Oktober 1990 wurde die DDR-Luftwaffe aufgelöst und Jähn mit dem Rang eines Generalmajors entlassen.
Danach arbeitete er als freier Berater für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Gagarin Cosmonaut Training Center bei Moskau und ab 1993 auch für die ESA im Auftrag des Europäischen Astronautenzentrums in Köln. Hier betreute er die deutschen und europäischen Astronauten bei der Vorbereitung der Missionen Mir-92 (Klaus-Dietrich Flade und Reinhold Ewald), Euromir-94 (Ulf Merbold und Pedro Duque), Euromir-96 (Thomas Reiter und Christer Fuglesang) und Mir-97 (Reinhold Ewald und Hans Schlegel).
Jähn war bis zu seiner Pensionierung 2002 als ESA-Berater in Star City tätig. Seitdem ist er ein unermüdlicher Botschafter der Weltraumforschung und nimmt an Veranstaltungen, Vorträgen und Foren in ganz Europa teil. Er spielte auch eine Schlüsselrolle bei der Gründung der internationalen Association of Space Explorers (ASE). Als Gründungsmitglied war er 1985 mehrere Jahre Mitglied des Vorstandes. Asteroid 17737 wurde 2001 zu seinen Ehren benannt.

Quelle: ESA

 

2774 Views