1.04.2026

Airbus entwickelt das „Bird of Prey“-System zur Bekämpfung feindlicher Drohnen
mit Lenkwaffen.
Die Drohne kann bis zu acht kostengünstige Raketen abfeuern und wurde
erfolgreich getestet.
Airbus arbeitet dafür mit dem estnischen Startup Frankenburg Technologies
zusammen.
Airbus steigt mit einem außergewöhnlichen Konzept und Bündnis in den Milliardenmarkt der Drohnenabwehr ein. Der Vorschlag: Von einer gut drei Meter langen Drohne werden in der Luft bis zu acht kleinere Lenkraketen abgefeuert, die feindliche Kamikaze-Drohnen und Drohnenschwärme wie beispielsweise des iranischen Typs Shahed-136 oder das russische Pendant Geran-2 bekämpfen.
Airbus bezeichnet das System als „Bird of Prey“, also auf Deutsch „Raubvogel“. Nach Angaben von Airbus-Rüstungsmanager Marco Gumbrecht könnte sich Airbus damit auch um Aufträge der Bundeswehr bewerben.
„Ob wir uns bewerben, steht noch nicht fest. Wir haben das System nicht auf eine spezifische Ausschreibung ausgerichtet.“ Der Bund will nach einem Test verschiedener Systeme im Herbst ab 2027 die Drohnen-Abwehrtechnik an die Truppe ausliefern.

Airbus sieht Alleinstellung bei Drohnen-Abwehr
Airbus sieht mit seinem Konzept von einer Drohne abgefeuerten kleinen Luft-Luft-Raketen in Kombination mit deren günstigen Kosten eine Alleinstellung im Markt der sogenannten Counter UAS, also der Neutralisation von Drohnen.
Je nach Entfernung und Größe der feindlichen Drohnen werden sie nach den bisherigen Angeboten mit Flugabwehrkanonen vom Boden bekämpft. Etwa mit dem Skyranger-System von Rheinmetall oder durch Interceptor-Drohnen, die sich auf die feindlichen Drohnen stürzen und sie zerstören, wie das etwa der Münchner Anbieter Tytan vorschlägt.
Das Airbus-System wurde jüngst in einem Demonstrationsflug mit zunächst vier Lenkwaffen über einem Militärgelände in Norddeutschland erfolgreich getestet, erklärt Airbus-Manager Gumbrecht. Die deutsche Rüstungssparte des Konzerns kombiniert für das „Bird of Prey“-System die seit zwanzig Jahren eingesetzte sogenannte Zieldarstellungsdrohne vom Typ Do-DT25 mit den kostengünstigen, neu entwickelten Luft-
Luft-Lenkraketen des erst 2024 gegründeten estnischen Startup Frankenburg Technologies.
Das Unternehmen aus Tallinn hat mit der nur 65 Zentimeter langen Rakete „Mark 1“ eine Billig-Lenkwaffe entwickelt, die mit ihrem Splittergefechtskopf Fast-Schallgeschwindigkeit erreicht und mit weniger als zwei Kilo Gewicht nach eigenen Angaben der leichteste Lenkflugkörper ihrer Art ist. Die Reichweite beträgt bis zu 1,5 Kilometer.
Nach eigenen Angaben ist „Mark1“ der kleinste und kostengünstigste Lenkflugkörper der Welt, der auf Souveränität, lokale Massenproduktion und Reduzierung der Abfangkosten ausgelegt ist. Das Start-up behauptet: „Unser Ziel ist die Entwicklung von Raketensystemen, die zehnmal kostengünstiger, hundertmal schneller zu produzieren und in
Stückzahlen gefertigt werden können, die die derzeitigen Produktionskapazitäten der Industrie weit übertreffen.“ Zur Zielerfassung käme Künstliche Intelligenz zum Einsatz.
„Bird of Prey“-System für Nato-Verteidigung
Frankenburg-Technikchef ist der Deutsche Andreas Bappert, der zuvor zehn Jahre beim Rüstungskonzern Diehl Defence tätig war, zuletzt in führender Rolle beim Abwehrsystem Iris-T. Nach jüngsten Berichten plant der polnische Konzern PGZ eine Serienfertigung der Lenkwaffe von Frankenburg.
Airbus-Rüstungsmanager Gumbrecht sieht als potenzielle Kunden für das „Bird of Prey“-System alle Nationen, die sich gegen die iranischen Shahed-Drohnen oder Drohnen dieser Klasse schützen wollen. „Wir haben uns nicht auf einen Kunden beschränkt. Es liegen uns konkrete Interessen dazu vor.“
Die Zusammenarbeit mit dem Startup Frankenburg sei für den etablierten Konzern Airbus keine Seltenheit, behauptet Gumbrecht. „Wir machen extrem viel mit Startups und schauen uns extrem viel an.“ Das Projekt mit Frankenburg wurde vor neun Monaten gestartet und sei eine ideale Waffenergänzung für die von einem Katapult startende, wiederverwendbare Drohne Do-DT25 mit maximal 160 Kilo Abfluggewicht. Das „Bird of Prey“-System könnte in die Nato-Luftverteidigungsarchitektur eingebunden werden.
Quelle: Business Insider
