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UFO-Forschung - Aus dem CENAP-Archiv: UFO-History Teil-203

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13.10.2007

Teil IV - Zwischenspiel: UFOs als Thema: Die öffentlich-rechtliche Irritation! Das Vorspiel zur ARD-UFO-Show 1994

UFOs als Thema: Die öffentlich-rechtliche Irritation!

Zuvor aber noch dies:

 

´Unsere Neue´ hieß ein neues Zeitschriftenprojekt, welches mal wieder so ganz anders sein wollte und 1993 an den Start ging. In der Ausgabe Nr.9/10 für September/Oktober 1993 griff man sich dort in der Sparte "Science Fiction" "Die neuen Gespenster" auf, weil "ein modernes Märchen in den Köpfen vieler Erdenbürger spukt". Dennoch, der SOBEPS-Bericht über die Fliegenden Dreiecke bringe Objekte mit sich, die "weder von Menschenhand geschaffen noch gesteuert" wurden. Dennoch, auch auf CENAP in Mannheim wurde in einem längeren Absatz hingewiesen und eine grobe Vorstellung der IFOs getätigt. "Ungeachtet aller Spektiker und wissenschaftlicher Einwände dreht sich das Karussell der Spekulationen immer schneller."

 

Ausgerechnet ´Wochenend´ vom 7.Oktober 1993 kam mit einem Report daher: "Immer mehr Menschen behaupten: ´Wir wurden von Außerirdischen entführt´" Interessanter Weise griff man für diesen ganzseitigen Bericht auf Bildmaterial zweier Spielberg-Filme zurück: Das UFO aus "E.T." und den Greys aus "Unheimliche Begegnung..." ("So sollen die Außerirdischen nach Augenzeugenaussagen aussehen"). Die auf ganz spezielle ´Enthüllungen´ bekannte Zeitschrift hatte in Düsseldorf die "Welt-UFO-Konferenz" besucht, angeblich berichteten dort "Lehrer, Ärzte, Anwälte und Arbeiten" über Begegnungen mit Außerirdischen. So auch Klaus Krämer (42) aus Frankfurt, der von Außerirdischen im raumschiff operiert wurde und seither eine drei Zentimeter lange Narbe auf dem Rücken besitze. Anton (47) aus Österreich hatte die spannendste Gerichte des Meetings parat: "Seit 1975 werde ich alle 14 Tage von der Königin der Plejaden besucht." Tja, "UFOs - Spinnerei oder Wirklichkeit?"

 

Am 23.Oktober 1993 brachte die ´Neue Presse´ (Coburg) einen ganzseitigen Artikel von Jürgen Weiss: "Mannheimer CENAP-Forscher untersuchen Himmelsphänomene - Das UFO-Mysterium als moderner Aberglaube". Hierbei stellte der Presse-Mann aus Johannes von Buttlar´s Bestseller "Das UFO-Phänomen" den dort genüßlich abgedruckten "Funksprechverkehr" im Fall den am 7.Januar 1948 bei der Verfolgung eines nicht erkannten Stratosphärenballons umgekommenden Thomas Mantell vor und stellt ihn den tatsächlichen Ereignissen aus den CENAP-Unterlagen gegenüber. Es ging im weiteren um den "sehr lukrativen UFO-Medienkult" und den UFO-Buchmarkt. Über Autoren wie von Buttlar oder von Däniken hat sich schon so mancher Verlag saniert, "das freilich will niemand hören. Werner Walter erzählt, daß er bereits dreimal zu Talkshows ein- und wieder ausgeladen wurde. Grund: Die prominenten Autoren wollen mit dem ungläubigen UFO-Forscher nichts zu tun haben". Es ging auch um den Händel zwischen UFO-Skeptikern und den UFO-Freunden des Phantasischen. Als Beispiel wurde der Fall Andreas (Auf)Schneider angeführt und eine damit entfachte Lawine, weil plötzlich die UFO-Promoter bei CENAP mit Anwälten auf der Matte standen, da CENAP den Promotern des modernen Aberglaubens "in die gewinnträchtige Suppe spuckt".

 

Im Oktober 1993 schob der Droemer Knaur-Verlag einen sogenannten "Schwerpunkttitel" namens "Die größten UFO-Geheimnisse der Welt (mit zahlreichen authentischen Fotos)" hastig nach, der bereits im original zehn Jahre früher bei Octopus Books in London (England) erschienen war und von einem unbekannten Autorenteam (Roger Boar & Nigel Blundell) stammte. Das Titelbild hierzu spendierte der Verlag M.Hesemann aus dem Billy Meier-Buch "Und sie fliegen doch". Faktisch stimmt in dem Werk hinten und vorne nichts und bläht sich mit vielen Übertreibungen und Verdrehungen auf, um die Revolverblatt-UFOlogie zu bedienen, welche nahe an der Science-fiction angesiedelt ist. So gesehen paßte es genau in die ufologische Stimmungslage der Nation, aufgeheizt und vorbereitet durch die Medien-Berichterstattung, die exzessive Formen angenommen hatte und den Fliegenden Untertassen-/Alien-Mythos heftig pflegte während die Fakten überall kleingehalten wurden. Natürlich, es ist nicht so, daß es diese Fakten nicht gäbe (ganz im Gegenteil), aber sie würden den modernen Mythos zerstören.

 

Die Boulevardzeitung BZ vom 21.November machte in der Sparte "Berlin/Frauen" ganzseitig die Schlagzeile "Was ein UFO-Doktor über die Außerirdischen weiß: Drei Berliner von kleinen grauen Männchen entführt" augenfällig. Journalistin Sandra Girod gab dem Affen Zucker: "Diese Aussage ist ganz bodenständig: Der normale Außerirdische ist grau, zwischen 1,20 und 1,30 meter klein und hat einen großen Kopf." So der fränkische UFO-Forscher Dr.Johannes Fiebag (37), "seines Zeichens irdischer Berater von Rainer Holbe (´Phantastische Phänomene´, Sat1)* und als Buchautor derzeit auf Dia-Vortragstournee unterwegs", natürlich ist er auch mit Erich von D. befreundet, mit dem er gerne auf der Veranda sitzt und ein schönes Glas Wein trinkt. BZ hatte Gelegenheit, um mit dem UFOlogen vor seinem Berliner Auftritt am darauffolgenden Tag zu sprechen, da die Alien-Zeitzeugen berichteten, daß diese ETs "immer brutaler" werden. Donnerschlagende ERrkenntnis: "Die Außerirdischen sind viel, viel zu intelligent, um mit primitiven Raumschiffen über der Erde zu kurven." Und in "den letzten 20 Jahren taucht in den Zeugenberichten nur noch der kleine Graue auf." Man merke, wenn man dabei sein will, die Aliens "die jetzt kommen", sind zwischen 1,20 und 1,30 Meter groß, sehr schmächtig, haben einen großen Kopf und riesige, schwarze Augen, sie sprechen nicht, sondern übertragen Gedanken. Zudem beschreibt er hier, wie eine "klassische Entführung durch Außerirdische abläuft". Die anderen Aliens aus der Kontaktler-Szene aus den 50er Jahren sind "mittlerweile ausgestorben", die neuen ETs dagegen führen Untersuchungen der schmerzhaften Art durch. Fiebag kannte bis dahin "etwa 15 menschen, die von Außerirdischen für ein paar Stunden verschleppt wurden. Drei von ihnen kommen aus Berlin: ein 25-jähriger Mann und zwei Frauen, 38 und 56 Jahre alt. Aber man muß genau gucken, wem man glaubt. Es gibt natürlich auch viele Wichtigteuer oder Spinner, die so´n bißchen neben der Kappe sind."

 

*= Doch nicht nur dies, wie der ´Nordkurier´ vom 3.November 1993 zum Vortrag Fiebags in Neubrandenburg am 24.November ausführte. Er war auch Berater der EvD-Serie "Auf den Spuren der Allmächtigen" und zudem noch Chefredakteur der Ancient Astronauts Society-Zeitschrift "Ancient Skies" mit EvD an der Spitze.

 

Am 24.November 1993 machte die BZ mit einer fetten UFO-Schlagzeile die vollständige Seite 1 auf: "Wir sahen UFOs über Berlin - Einer traf sogar Außerirdische am Kuhdamm: ´Sie waren sehr nett!´" 180 Berliner erschienen im Tränenpalast um über das Rätselhafte zu sprechen, über Besucher aus fremden Welten. Der UFO-Experte Dr.Johannes Fiebag erklärte, wo sich die Außerirdischen auf der Erde einmischen. Ein Berliner berichtete vom UFO über Steglitz, drei andere von ihren Entführungen durch graue Männchen. In der Spalte "Hauptstadt Berlin" geht es dann mit "Besuch aus dem All in der City? Ein Berliner ist davon überzeugt: Außerirdische waren sehr nett" weiter. Jo Fiebag sprach unter Sphärenklängen über "Die Anderen" (es wurde noch vermerkt, daß dies sein Buchtitel bei Herbig ist). Hier stand auch Horst Scharein aus Neukölln auf und erklärte Aliens auf dem Kudamm getroffen zu haben, aber "auch sein Sitznachbar hatte schin Astral-Erlebnisse". Fiebag sprach dann davon, daß er seinen drei Berliner Entführungsopfern geraten habe, "nicht an die Öffentlichkeit zu gehen. Sie haben den Schock des Kidnappings zu verarbeiten". Wir wollen niemals auseinandergehen, oder so hieß es schließlich und viele Leute tauschten Adressen aus, hauptsächlich der "Esoterisch-Astronomische Forschungskreis" verteilte eifrig seine Telefonnummern: "Für alle Fälle, man weiß ja nie."

 

Und BZ powerte weiter. Am 25.11. hieß es dann neben einem Bild von dem gelernten Büromaschinenmechaniker Horst Scharein (56): "UFOs über Berlin? Rufen Sie heute den Experten bei der BZ an". Der UFOloge Dr.Fiebag blieb noch im schönen Berlin und versuchte an diesem Tag "Licht ins irdische Dunkel zu bringen", zwischen 12 und 14 h stand er am BZ-Telefon Rede und Antwort: "Alle BZ-Leser sind aufgerufen, heute anzurufen!" Das lieferte Schlagzeilen-Stoff für den nächsten Tag um Berlin im Alien-Fieber zu halten, eine bemerkenswerte PR-Aktion für Fiebag, die Grauen und natürlich für das Buch in dem sie sich materialisieren "Die Anderen": "Ganz klar, Außerirdische sind grau. Nicht grün. Und nur 1,20 Meter groß" hieß es wieder groß aufgemacht zur BZ-Telefonaktion. Das Telefon klingelte nonstop, "das Interesse war riesig" und wacker hielt sich Johannes mit seiner Gradwanderung, in der er versucht "das Unglaubliche für möglich zu halten und den Blödsinn auszugrenzen". Dennoch antwortete er auf die Frage zwecks den Aliens auf dem Kudamm, daß diese Story wohl nicht stimmt, Begründung: "Die Anderen würden sich bei einer Landung nicht gerade den Kudamm aussuchen." Rita B. (37) meldete sich aus Zehlendorf: "Ich habe neulich ganz realistisch von einem UFO geträumt, sah dabei sogar fremde Wesen. Was kann das bedeuten?" Fiebag: "Hochinteressant. Es kann sein, daß Sie damit eine Entführung durch Außerirdische seelisch verarbeiten." Kann aber wahrscheinlich auch nur das gewesen sein, was die Frau sagte - eben ein intensiver Traum. Mit der Gradwanderung ist es also doch so eine Sache. Conny, 35, Wedding: "Ich hatte neulich Kontakt zu Außerirdischen. Sie standen neben meinem Bett. Ich schwebte aus der Wohnung. Sie kannten sogar meinen Namen. Dann weiß ich nichts mehr. Als ich morgens aufwachte, hatte ich Einstiche am Bauch. Ich bin doch nicht verrückt!" Fiebag: "Das hört sich tatsächlich nach einer Entführung an, die Merkmale sind typisch dafür. Solche Erlebnisse hatten mehr Menschen, als man annimmt." [Und bald darauf tauchte diese Conny als Conny Paraschoudis dann als UFO-Entführte ganz offen im Fernsehen auf!]

 

"Däniken erwartet UFO-Landung in Chemnitz: Riesiges Kraftfeld unterm Sonnenberg" hieß am 3.Dezember 1993 die in fetten Lettern gesetzte Titelgeschichte der ´Chemnitzer Morgenpost´. Kurz zuvor hatte ein 21-jähriger Kellner "ein grelles Licht mit sechs blinkenden Positionslampen" gesehen, die seinen Eindruck nach an einem "sechseckigen metallenen Gehäuse" sich befanden und um 2 h über Chemnitz für drei Minuten erschienen. Die MoPo sprach so mit dem "UFO-Forscher" Erich von Däniken ("21 UFO-Bücher"), der sich gerade auf Vortragstour in Ostdeutschland befand und dem daher der Vorfall nicht ungelegen kam, um Schlagzeilen zu machen. Ohne irgendeine Untersuchung des Falls vorzunehmen, erklärte von Däniken, daß diese Beobachtung "Vorbote eines gigantischen Raumschiffs" ist und damit die Außerirdischen wahrscheinlich "eine Landung vorbereiten". Unter dem Sonnenberg "schlummert ein Geheimnis - eine Uranader, die ein gewaltiges Energiefeld ausstrahlt. Und das lockt Außerirdische an", sagte "der Experte". Klar, das Uran brauchen sie für ihre "utopischen Triebwerke". (Dumm nur, daß Dr.Werner Runge von der Wismut GmBH den Kopf deswegen schütteln mußte: "Wir haben das ganze Stadtgebiet untersucht. Es gibt in Chemnitz keine größeren Mengen Uran.") Mit Forschung hat dies offenkudnig alles nichts zu tun, sondern nur mit naßforschen wilden Spekulationen.

"Geständnis der Moderatorin, die bei RTL täglich für hohe Einschaltquoten sorgt: Ilona Christen baut Landeplatz für UFOs" hieß es am 7.Dezember 1993 in der BZ. Die 42-jährige RTL-Talkshow-Gastgeberin die gerade erst seit dem 13.September 1993 auf Sendung war hat der Journalistin Anka Tollkühn eingestanden sich für den UFO-Landeplatz ein Grundstück neben ihrem Haus im Kanton Nidwalden in der Schweiz gekauft zu haben und im kommenden Frühjahr sollte es dann losgehen diesen auszubauen: "Dann entsteht eine Arena aus Natursteinen. Sie wird mit Flußkieseln in Gestalt des ´Yin und Yang´-Zeichens ausgelegt." Die gebürtige Saarbrückerin glaubt genauso an Wiedergeburt und Hellseherei. Kein Wunder wenn am Tag der Veröffentlichung "Außerirdische" auch ihr Thema im TV waren. Hierzu wurden u.a. eingeladen: Ex-Lufthansapilot Werner Utter und Architekt Manfred Stein, der eine Landebahn für Außerirdische in Österreicht baut. Zudem einen Astrophysiker und einen Psychologen.

 

Die Zeitschrift ´das neue´ vom 13.Dezember 1993 griff dies ebenso auf: "Verrückt oder vorausschauend? Ilona Christen: Jetzt baut sie einen Landeplatz für UFOs". Im Bild das Gelände und Ehepaar Christen dort, wo der Landeplatz entstehen soll. Frau Christen: "Ich habe zwar noch keine UFOs gesehen, glaube aber an ihre Existenz..."

 

Im ORB hieß es am 18.Dezember 1993 wieder einmal "Babelsberg live" fürs ostdeutsche Fernsehpublikum (Videoaufzeichnung liegt nicht vor). Eingeladen zum Talk waren zwischen Gunter Emmerlich, Eva-Maria Hagen und Günther Jauch auch "Deutschlands UFO-Forscher" Johannes von Buttlar und Michael Hesemann.

 

"Jesus Christus war ein Außerirdischer/Amerikanische UFO-Sekte errichtet Stützpunkt in Königswinter - Evangelische Kirche warnt" meldete am 21.Dezember 1993 der ´General-Anzeiger´: Annette Vincenz berichtete über das "Ashtar Command", welches den nahen Weltuntergang voraussagt und behauptet mit Außerirdischen in Kontakt zu stehen, welches nun sich rund um Horst Dittmer aus Königswinter-Thomasberg festsetzte und einen sogenannten "Lichtkreis" bildete. Er bekommt Einflüsterungen eingegeben, solche wie "Jesus Christus war auch ein Außerirdischer" oder "der wahre Anführer der intergalaktischen Missionare ist Commander Ashtar". Ashtar ist nach Durchgaben eines Mediums aus Leverkusen ein blondgelockter Jüngling und sieht aus wie man sich gemeinhin Siegfried aus der Nibelungensage vorstellt, nur halt eben mit einer Raumschiffflotte. Mittels Meditation und von ihm selbst abgehaltenen "Gottesdiensten" auf einer höheren "Schwingungsebene" will der Thomasberger Prophet seine Jünger auf den Kontakt mit den Außerirdischen vorbereiten. Das Material für diese Aktivitäten liefert das Leverkusener Medium, welches sich in Halbtrance versetzt und dann niederschreibt, was die Überwesen mit Namen wie Korton, Yuminale, Elyse oder auch die Gottesmutter Maria persönlich von Alpha Centauri ihr in den Kugelschreiber hauchen. Wer mehr wissen will, kann z.B. Bücher mit dem Titel wie "Ashtar, Stimmen von oben" von "Guardian Action International" in Salt Lake City, der Hauptstadt des Mormonen-Staates Utah, auf Spendenbasis erwerben. Im genannten Buch wird klar, um was es geht: "Dieses Buch braucht keine Rechtfertigung. Wer es versteht, verlangt keine Beweise, den anderen nützen auch Tatsachen nichts." Nach Auskunft des Sektenbeauftragten der Evangelischen Kirche im Rheinland, Pfarrer Joachim Keden, ist das "Ashtar Command" durchaus als Neuoffenbarungs-Gruppe bekannt in der Szene und sein deutsches Zentrum wird in München von einer Frau namens Miko* Shanika Sheran geleitet, wo man auch die Anträge auf Mitgliedschaft stellen kann (Beitrag 150 Mark). In einer von dort aus geleiteten Kampage soll das Ashtar Command bundesweit durch Plakat-Aktionen, Broschüren, öffentliche Veranstaltungen, presseveröffentlichungen und Fernseh-Interviews populär gemacht werden. In allen Großstädten sollen Nebenstellen entstehen, die schließlich die 6.052 deutschen Angehörigen des Weltraumkommandos lokalisieren, aktivieren und koordinieren sollen. Anleihen an Scientology fallen auf, da auch das Ashtar Command lt. Pfarrer Leden "ein zum Leben erwachter Alptraum aus der Science-Fiction-Literatur" sei, sehr elitär, hierarchisch und fast militärisch strukturiert. Schlimm ist hierbei der "fortschreitende Wirklichkeitsverlust" der Anhänger solcher Gruppierungen, die nicht nur am Rande der UFOlogie angesiedelt sind, wenn man weiß, daß die UFOloge starke esoterische Strömungen und Impulse besitzt und im New Age sich pudelwohl fühlt.

 

*= Hierbei handelt es sich um Petra Mikolajczak-Keusch, mit der Werner Walter am 16.Oktober 1989 bereits im Schlepptau von Michael Hesemann im Schlachthof des BR3-Fernsehens zu einer Gesprächsrunde zusammengekommen war und die dort ihre unglaubwürdig-komische Show abzog. Das Neue Zeitalter Nr.46/1989 hatte genaueres über MIKO berichtet. Sie ist eine gescheiderte Schauspielerin, welche als "spezielle Problematik" für sich sagt, "hier auf der Erde nie so ganz richtig dazuzugehören", aber dennoch "die Welt zu verbessern" habe, mals als Priesterin der Isis oder nun als UFO-Botschafterin für Ashtar, weil der nun durch die "Lichtarbeiter"-Bewegung des New Age In wurde. Dies stellte sie über die Nr.2/1990 der Zeitschrift BRAVO Girl an, wo sie sich erstmals selbst als Außerirdische vorstellte.

 

"Kontakt mit Außerirdischen: Gerd Jürgen Burde kennt sie - Die ´Grünen Männchen´ gibt es wirklich" - hieß es am 23.Dezember 1993 im ´Münchner Wochenblatt´ in dessen bunter Weihnachtsgeschichte. Der Reporter Peter Pollak sprach nun "mit einem der Außerirdischen". Es ist der Ex-Manager Burde: "Ich bin eines von vier Millionen Sternenkindern, die die Saat der Götter in sich tragen!" Er und seine vier Millionen Mitstreiter sollen die Menschheit retten, sie auf die Zeitenwende vorbereiten - "das wenigstens erwarten die Plejadier, unsere außerirdischen Wächter". Semjase und Billy Meier lassen also grüßen. 1989 traf Burde seinen Schöpfer. Auf Videos und Vorträgen verkündet er nun die frohe Botschaft des Kosmos. 1994 würden uns die Aliens dann unbegrenzte und kostenlose Energie schenken und der Energielobby auf Erden das Aus bereiten, womit ein Arm der heimlichen Regierung abgeschlagen wäre, die anderen Arme: Multinationale Konzerne, die Freimaurer und die grauen Zeti Reticulaner. Diese sind die Bösen im Kosmos, die Plejadier die Guten.

 

Das Wochenmagazin zur Zeitung ´Prisma´, welches 60 Tageszeitungen beiliegt und Millionen Haushalte in Ost und West erreicht, brachte in seiner Nr.51/1993 das Thema "UFOs: Sehnsucht nach den Außerirdischen" auf den Titel, um auf den Leitartikel "Wird 1994 das Jahr der großen UFO-Invasion?" hinzuweisen. Detlef Hartlap in seinem Editorial: "UFOs. Der Glaube an sie ist ungebrochen, die Faktenlage eher dünn." Dieser Beitrag kam unter Mitwirkung von Werner Walter zustande, dessen UFO-Hotline-Nummer neben der der Lüdenscheider GEP abgedruckt wurde. Prisma interviewte sogar Prof. Gerald L.Eberlein (Direktor des Instituts für Sozialwissenschaften an der TU München), der sich besonders mit neuen geistigen Bewegungen und damit auch der UFOlogie auseinandersetzt.

 

"UFOs, als heimliche Entführer" hieß eine Betrachtung von Wolfgang Will am 26.Dezember 1993 in der ´Berliner Morgenpost´: "Die UFOlogie strebt zu neuen Ufern. Denn ihren Vertretern mangelt es vielfach an der Phantasie, das Thema der Außerirdischen, die als Götter verkannt wuzrden und uns in Fliegenden Untertassen auch heute noch mit Stippvisiten beehren, überzeugend zu variieren. Deshalb werden nunmehr Esoterik und Parapsychologie besonders bemüht, werden physikalische Gesetze oder Begriffe wie Zeit und Raum kurzerhand in Frage gestellt. Das taten in der Vergangenheit die Science-fiction-Autoren, doch mit denen will der wissenschaftlich argumentierende UFOloge natürlich nichts gemein haben", erfahren wir hier gar nicht mit so fehlgehend. Will ging dann auf Ernst Meckelburg´s Buch "Zeitschock" ein, welches eine "Paarung aus Krimi, Märchen und Science-fiction" sei, wenn der Hanauer Autor dort von einer UFO-"Invasion aus der Zukunft in phantasievoller Höchstform" spricht. Will auch in Anbetracht solcher Werke wie "Götterspuren" des damals 23-jährigen Schweizer Luc Bürgin: "Die Brüder Grimm finden heutzutage zweifellos eine Ergänzung in den Erzählern von Techno-Märchen." Und der Autor stellte auch fest, daß die Gemeinde der UFO-Gläubigen unter uns viel größer als allgemein angenommen ist. Hier werden einem Publikum spannende Geschichten erzählt, die es liebt und mittels denen die Menschen zu Gläubigen gemacht werden, die vielen entsprechenden Buchtitel und deren Auflagen zeigen dies auf. Doch Will wundert sich auch, weshalb sich die UFO-Autoren "selbst unglaubwürdig machen", wenn sie wie Meckelburg gerne den National Enquirer als Quelle zitieren, der wegen erfundener Berichte zu einem Klatsch- und Tratschblatt geworden ist und wiederholt wegen erfundener Berichte zu riesigen Dollarsummen Schadenersatz verurteilt wurde. Wolfgang Will der selbst als Korrespondent des Springer-Ausland-Dienst (SAD) die Mondlandeunternehmungen begleitete verfolgte auch in Mission Control Houston die Ereignisse rund um die Apollo 11-Mondlandung rund um die Uhr. So wundert er sich, wenn UFO-Autoren sich nicht einkriegen können, um über UFO-Begebenheiten bei diesem historischen Ereignis zu berichten: "Das ist absoluter Unfug!" Und das "vor Absurditäten auch Altmeister Erich von Däniken nicht gefeit ist", wundert Will schließlich auch nicht. Am 21.März 1976 startete die ´BILD-am-Sonntag´ eine neue, progestimmte UFO-Reportage-Serie: Sie kommen! Die Besucher aus dem All. Wolfgang Will zeichnete hierfür verantwortlich, was er den neuen großen ´BILD-am-Sonntag´-Report nannte und viele Millionen Menschen hierzulande dem UFO-Phänomen zuführte! Wie man sieht wurde Will inzwischen vom Gläubigen zum Kritiker und Skeptiker.

 

Das Jahr 1993 wurde mit einer Agenturmeldung abgeschlossen, wie sie am 31.Dezember 1993 auch die ´Saarbrücker Zeitung´ aufgriff: >Japan - Botschaft für Außerirdische. Noch gibt es kein offizielle Bestätigung für den Besuch von Außerirdischen auf unserem Planeten, doch haben die Herren vom anderen Stern immerhin bald eine diplomatische Vertretung auf der Erde. Japanische UFO-Anhänger wollen bei Kagawa im Südwesten des Landes eine Botschaft für intergalaktische Intelligenzen schaffen.<

 

Alles in allem, jeder der in Sachen UFOs recherchierte, mußte damals schon auf uns sachkundige UFOlogie-Kritiker und UFO-Skeptiker stoßen, so wie es tatsächlich auch bis heute immer wieder geschieht. Ansonsten wurde auch 1993 kräftig der Boden für den Alien-Glauben und der damit verbundenen ufologischen Irrlehre gedüngt. Das Publikum wollte geradezu neue phantastische Geschichten in der Ära von Bundeskanzler Kohl mit all ihren gefürchteten Reformen hören, und es bekam das, was es will - die volle Medienkanne Wirklichkeitsablenkung.

Quelle: CENAP-Archiv

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