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Montag, 3. Juli 2017 - 22:00 Uhr

Luftfahrt - Unbemannte Aufklärungssysteme im Einsatz / Die UAVs der Bundeswehr

3.07.2017

Ob Spezialkräfte, Artillerietruppe oder Luftwaffengeschwader – Unbemannte Aufklärungssysteme gewinnen in allen Bereichen der Bundeswehr an Bedeutung. Das Spektrum reicht von der nur wenige Gramm wiegenden Minidrohne bis hin zur 1,2 Tonnen schweren hoch fliegenden UAV.

 
UAVs der Bundeswehr Heron 1

Der Bundeswehr stehen verschiedenste Drohnen für eine Vielzahl an unterschiedlichen Einsatzszenarien zur Verfügung. Foto und Copyright: Bundeswehr  

 

 

Die Bundeswehr verfügt über etwa 570 unbemannte Luftfahrzeuge der verschiedensten Typen. Das Heer nutzt die Mehrzahl der Drohnensysteme, aber auch die Luftwaffe betreibt ein UAV-System (Unmanned Air Vehicle) für Aufklärungsmissionen. Je nach Einsatzszenario können einige unbemannte Fluggeräte individuell für den jeweiligen Auftrag ausgerüstet werden.

Die derzeit genutzen Systeme sollen in den kommenden Jahren teils ersetzt, teils ergänzt werden. So wurde Ende Juni 2017 die Beschaffung der Luna NG genehmigt. Die Luftwaffe will die Heron TP leasen, doch dieser Plan wurde vom Bundestag noch nicht genehmigt. Nach dem Debakel mit dem Euro Hawk soll nun ein hoch fliegenden UAV für die Signalaufklärung auf Basis der Triton eingeführt werden. Darüber hinaus laufen Studien zu einem umbemannten Flugsystem der MALE-Klasse, das in europäischer Kooperation entstehen soll. Noch zu erwähnen ist auch das NATO-System AGS (Global Hawk mit Seitensichtradar zur Lageaufklärung), an dem die Bundesrepublik den zweitgrößten Anteil nach den USA hat.

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Heron 1 

 
Heron 1 Bundeswehr Afghanistan

Die Heron 1 wird für einen Aufklärungsflug in Afghanistan vorbereitet. Foto und Copyright: Bundeswehr  

 

Einsatzbeginn: 2010 (ISAF in Afghanistan), 2016 (Mali)

Im Dienst: 6 (geleast; je drei in Afghanistan und Mali) 

Das UAV (Unmanned Aerial Vehicle) des israelischen Herstellers IAI ist seit 2010 für die Bundeswehr im Einsatz. Seit Oktober 2016 wird die Drohne auch im Rahmen der UN-Operation MINUSMA (Multidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission) in Mali eingesetzt, nachdem in Afghanistan Erfahrungen mit der Heron 1 gesammelt wurden.

Das ferngesteuerte Aufklärungsluftfahrzeug hat eine Reichweite von mehreren hundert Kilometern. Damit ist die Heron 1 derzeit die Drohne mit dem größten Aktionsradius der Bundeswehr. Bei einem Einsatz von mindestens zwei Heron 1 und zwei Bodenkontrollstationen kann eine Überwachung des Einsatzraumes von bis zu 72 Stunden am Stück erreicht werden.

Die Heron 1 untersteht dem Taktischen Luftwaffengeschwader 51 "Immelmann" in Jagel. Die Ausbildung für das Aufklärungsluftfahrzeug dauert knapp elf Wochen und findet generell in Israel statt.

 

IAI Heron 1 - Technsiche Daten

 
Heron 1 Bundeswehr Afghanistan Landung

Das unbemannte Luftfahrzeug Heron 1 ist eine allwetterfähige Aufklärungsdrohne der MALE-Klasse (Medium Altitude Long Endurance). Foto und Copyright: Bundeswehr  

 

Verwendungszweck
unbemanntes Aufklärungsluftfahrzeug der MALE-Klasse (Medium Altitude, Long Endurance)

Land
Israel

Hersteller
IAI Israel Aerospace Industries

Allgemeine Angaben
Antrieb: 1 x Rotax 914 Vierzylinder-Viertaktmotor mit Turbolader
Leistung: 1 x 86 kW (115 PS)

Abmessungen
Länge: 8,5 m
Spannweite: 16,6 m
Höhe: 2,3 m

Massen
max. Startmasse: 1150 kg
max. Zuladung: 250 kg

Flugleistungen
Höchstgeschwindigkeit: 213 km/h (115 kts)
Dienstgipfelhöhe: 10000 m
max. Reichweite: >1000 km
max. Flugdauer: 30 h

Aufklärungsausstattung: 
   - Zwei elektro-optische Kameras
   - Infrarotkamera

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Aladin 

 
UAV Aladin Handstart

Aladin kann von einem Soldaten aus der Hand gestartet werden. Foto und Copyright: Bundeswehr  

  

Einsatzbeginn: 2003 (ISAF in Afghanistan), 2006 (EUROR RD Kongo), 2008 (KFOR)

Im Dienst: 290 Fluggeräte (Stand September 2016)

Aladin (abbildende, luftgestützte Aufklärungsdrohne im Nächstbereich) ist eine Aufklärungsdrohne für Ziel-, Wirkungs- und Lageaufklärung bei Tag und Nacht. Der Hochleistungs-Elektro-Starrflügler ist als Motorsegler ausgelegt. Nach Angaben des Herstellers erzeugt Aladin nur geringe akustische und thermische Signaturen. Die Einsatzdurchführung und die vorherige Einsatzvorbereitung von etwa fünf Minuten kann von zwei Soldaten bewerkstelligt werden. Die Tragflächen und der Rumpf können für den Transport werkzeuglos zerlegt werden.

Beim Erreichen des zuvor programmierten Landepunktes leitet Aladin in einer Flughöhe von ca. 40 m eine Sacklandung ein. Dabei wir das Höhenruder auf 45 Grad ausgefahren, damit die Strömung an den Tragflächen abreist. Der Strömungsabriss bewirkt ein Absinken der Drohne in einem Winkel von ca. 70 Grad. Aufgrund der flugmechanischen Eigenstabilität bleibt Aladin während des gesamten Sinkflugs in einer horizontalen Fluglage.

Ein Aladin-System umfasst zwei Fluggeräte, eine mobile Wetterstation und eine Bodenkontrollstation. Während eines Fluges ist das Fluggerät permanent mit der Bodenstation verbunden.

 

EMT Aladin - Technische Daten

 
UAV Aladin Bodenkontrollstation

Die Bodenkontrollstation des Aladin-System ist in einem Rucksack untergebracht. Foto und Copyright: Bundeswehr  

 

Verwendungszweck
Aufklärungsdrohne für Ziel-, Wirkungs- und Lageaufklärung

Land
Deutschland

Hersteller
EMT

Allgemeine Angaben
Antrieb: 1 x bürstenloser Gleichstrommotor 12V
Energieversorgung: Lithium Polymer Batteriepaket 14 Volt/9 Amperestunden

Abmessungen
Länge: 1,53 m
Spannweite: 1,46 m
Höhe: 0,36 m

Massen
max. Startmasse: ca. 3,2 kg

Flugleistungen
max. Höchstgeschwindigkeit: 70 km/h
Flughöhen: 50 - 150 m über Grund
max. Reichweite: 5 km
max. Flugdauer: 30 min

Aufklärungsausstattung:
   - Bis zu vier Videokameras für Tageslichtaufklärung
   - Thermische IR Videokamera 
   - Hochauflösende digitale Foto-Zoomkamera

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Black Hornet 

 
Black Hornet Start

Die Minidrohne kann mit ihren nicht einmal 20 Gramm problemlos in der Ausrüstung eines Soldaten mitgeführt werden. Foto und Copyright: Prox Dynamics  

 

 
 

Einsatzbeginn: n.b.

Im Dienst: Beschaffung von zehn Systemen mit 20 Fluggeräten

Das Aufklärungssystem PD-100 Personal Reconnaissance System des norwegischen Herstellers Prox Dynamics wird seit Ende des Jahres 2016 an die Bundeswehr ausgeliefert. Das System wurde für die verdeckte unbemannte Aufklärung im Ortsbereich durch die Spezialkräfte des Heeres angeschafft.

Mit einem Rotordurchmesser von 120 Millimetern und einer Rumpflänge von 10 Zentimetern ist das Nano- UAS (Unmanned Aerial System) das kleinste unbemannte Fluggerät der Bundeswehr. Aufgrund des geringen Gewichts von etwa 18 Gramm kann das Fluggerät problemlos in der persönlichen Ausrüstung eines Soldaten transportiert werden.

Elektro-optische und Infrarotkameras ermöglichen den Betrieb bei Tag und Nacht. Zudem werden bis zu einer Reichweite des Datenlinks von 1,6 Kilometern Echtzeitvideos und –bilder geliefert. Außerdem verfügt die Black Hornet über einen GPS-geführten Autopiloten. Für Aufklärungsmissionen können vorab Routen programmiert werden.

 

Prox Dynamics (FLIR Systems) PD-100 Black Hornet - Technische Daten

 
Personal Reconnaissance System Systemumfang

Das Personal Reconnaissance System des norwegischen Herstellers hat ein Gesamtgewicht von 1,3 Kilogramm. Foto und Copyright: Prox Dynamics  

 

Verwendungszweck
Nano-Aufklärungsdrohne

Land
Norwegen

Hersteller
FLIR Systems (hat Prox Dynamics AB übernommen)

Allgemeine Angaben
Antrieb: 1 x Elektromotor

Abmessungen
Länge: 0,1 m
Rotordurchmesser: 0,12 m

Massen
max. Startmasse: 0,018 kg

Flugleistungen
max. Höchstgeschwindigkeit: 18 km/h
Reichweite: 1,6 km (Datenlink Line-of-Sight)
max. Flugdauer: ca. 25 min

Aufklärungsausstattung: 
   - 3 elektro-optische/Infrarotkameras (Nachtsicht und Wärmebild geeignet)

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KZO 

 
KZO Start Booster

Mittels einem Booster, ähnlich einer Rakete, wird die Aufklärungsdrohne KZO aus dem Startfahrzeug gestartet. Foto und Copyright: Bundeswehr  

 

Einsatzbeginn: 2009 (ISAF)

Im Dienst: 43 Fluggeräte (Stand September 2016). Beschafft wurden 61.

Dem Heer steht beispielsweise für die Überwachung von Konvois oder Erkundung von Patrouillenwegen nach versteckten Sprengladungen das Kleinfluggerät für Zielortung (KZO) zur Verfügung.

Das KZO ist nahezu allwetterfähig und kann am Tag und in der Nacht zur Ziel- und Lageaufklärung eingesetzt werden. Die Zielortungsgenauigkeit entspricht den Anforderungen der Wirksysteme der Artillerie. Das Informationsalter der unbemannten Drohne beträgt weniger als eine Minute und ermöglicht mit den an Bord befindlichen Systemen eine automatisierte permanente Überwachung eines Geländeabschnitts oder die Verfolgung eines Ziels.

Für den Start wird das KZO mithilfe eines Krans in das Startfahrzeug gehievt. Ein Booster beschleunigt nach Angaben des Herstellers das KZO von Null auf 150 Stundenkilometer in 1,5 Sekunden. Während des Flugs wird die Drohne von einer Bodenkontrollstation gesteuert und überwacht.

Die Landung erfolgt an einem Fallschirm, welcher das Fluggerät auf den Boden zurück sinken lässt.

 

Rheinmetall KZO - Technische Daten

 
KZO Startvorbereitung

Für die Startvorbereitung wird das KZO mit Hilfe eines Krans in das Startfahrzeug gehievt. Foto und Copyright: Bundeswehr  

 

Verwendungszweck
unbemanntes Aufklärungsluftfahrzeug

Land
Deutschland

Hersteller
Rheinmetall Defence Electronics

Allgemeine Angaben
Antrieb: Zweizylinder-Heckpropellermotor von ZF Sachs 
Leistung: 24 kW (33 PS)

Abmessungen
Länge: 2,26 
Höhe: 0,96 m
Spannweite: 3,42 m

Massen
max. Startmasse: 168 kg
max. Nutzlast: 30 kg

Flugleistungen
Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
max. Reichweite: 100 km
Aufklärungsreichweite: 65 km
Dienstgipfelhöhe: 3500 m
Kadenz: 6 – 8 Flüge pro Tag und System
max. Flugdauer: 3,5 h

Aufklärungsausstattung: Infrarotsensor (Ophelius)

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Luna 

 
Luna Katapultstart

Der Start von Luna erfolgt mit einem Seilfederkatapult, das für den einfacheren Transport einklappbar ist. Foto und Copyright: Bundeswehr  

 

Einsatzbeginn: 2000 (KFOR), 2001 (Amber Fox, Mazedonien), 2003 (ISAF)

Im Dienst: 85 Fluggeräte (Stand September 2016)

Bei einer Eindringtiefe von 100 Kilometern kann das Aufklärungssystem Luna (Luftgestützte unbemannte Nahaufklärungsausstattung) entweder programm- oder ferngesteuert Video-, Infrarotfilme und Standbilder in Echtzeit aus dem jeweiligen Einsatzgebiet liefern.

Das Fluggerät ist ein leichter Hochleistungs-Motorsegler aus Faserverbundwerkstoffen in Leichtbauweise. Die Drohne kann durch das modulare Nutzlastkonzept je nach Einsatzzweck mit bis zu sieben Kameras ausgerüstet werden. Die gesammelten Daten werden an die Bodenkontrollstation übermittelt oder für eine spätere Auswertung aufgezeichnet. Die Bodenstation kann jederzeit die Flugroute verändern oder einen bestimmten Landepunkt eingeben.

Luna kann vollautomatische Aufklärungs- und Überwachungsflüge auch ohne Funkemission der Bodenstation durchführen. Die Flugbahn wird aber laufend durch ein autonomes Gelände- und Hindernis-Kollisionsschutzsystem überwacht.

Der Start des UAVs erfolgt mithilfe eines Seilfederkatapults. Die Landung erfolgt entweder autonom an einem Fallschirm oder durch ein Fangnetz mit autonomen Landeanflug via Differential-GPS.
Luna wird seit dem Jahr 2000 beim Heer eingesetzt und hat bereits Aufklärungsmission im Kosovo, in Mazedonien und Afghanistan hinter sich.

 

EMT Luna - Technische Daten

 
Luna Landung Fangnetz

Neben der Landung an einem Fallschirm kann Luna auch mittels einem Fangnetz gelandet werden. Foto und Copyright: Bundeswehr  

 

Verwendungszweck
unbemanntes Aufklärungsluftfahrzeug

Land
Deutschland

Hersteller
EMT

Allgemeine Angaben
Antrieb: Zweizylinder-Zweitaktmotor (Hirth 4102)

Abmessungen
Länge: 2,36 m
Spannweite: 4,17 m
Höhe: 0,87 m

Massen
max. Startmasse: 40 kg

Flugleistungen
max. Höchstgeschwindigkeit: 130 km/h
max. Reichweite: 100 km
Dienstgipfelhöhe: 4000 m
max. Flugdauer: 6 h

Aufklärungsausstattung: 
   - Synthetische Apertur Radar (SAR)
   - Bis zu sieben Foto- oder Videokameras
   - Meteorologische Sensoren
   - Minensuchsensorik
   - Zielbeleuchtung
   - Gas- und Partikel-Probensammler
   - Sensoren für radioaktive Kontamination

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Mikado 

 
Mikado UAV Quadrocopter

Das gesamte Aufklärungssystem kann in einem Spezialrucksack verstaut und von einem Soldaten transportiert werden. Foto und Copyright: Bundeswehr  

 

 
 

Einsatzbeginn: 2011 (ISAF), 2012 (KFOR)

Im Dienst: 145 Fluggeräte (Stand September 2016)

Mikado ist die Abkürzung für Mikro-Aufklärungsdrohne für den Ortsbereich. Der Quadrocopter wird über vier bürsten- und getriebelose Elektromotoren angetrieben.

Im zerlegten Zustand kann Mikado gemeinsam mit der Bodenstation und dem Bediengerät in einem Spezialrucksack verstaut und von einem Soldaten transportiert werden. Im Systemumfang sind Akkus enthalten, die bis zu sechs Flüge ermöglichen.

Eingesetzt wird die Drohne für die Aufklärung im Ortsbereich, um Objekte zu orten, identifizieren und ein optimales Lagebild zur Verfügung zu stellen.

Die optische Aufklärung erfolgt über eine Color-Duo-Optik oder einen Dämmerungssensor. Dieser ermöglicht ab einer Lichtstärke von 0,0003 Lux Videoaufnahmen. Beide Kameratypen lassen sich um 90 Grad schwenken und liefern Aufnahmen in Echtzeit.

Nach Angaben der Bundeswehr erfolgt die Ausbildung das Aufklärungssystem an der Heeresaufklärungsschule in Munster und dauert etwa einen Monat.

 

Mikado (AirRobot 100) - Technische Daten

 
Mikado UAV Bundeswehr Flug

Mikado ist ein Quadrocopter mit Elektroantrieb zur Aufklärung bei Tag und Nacht. Foto und Copyright: Bundeswehr  

 

Verwendungszweck
Mikro-Aufklärungsdrohne im Ortsbereich

Land
Deutschland

Hersteller
AirRobot

Allgemeine Angaben
Antrieb: 4 x bürsten- und getriebelose Elektromotoren

Abmessungen
Durchmesser: 1 m
Höhe: 0,24 m

Massen
max. Startmasse: 1,3 kg
Nutzlast: 0,2 kg

Flugleistungen
max. Reichweite: 
   - 0,5 km bei analogem Videosignal
   - 1 km bei digitalem Videosignal
Dienstgipfelhöhe: 1000 m
max. Flugdauer: ca. 30 min

Aufklärungsausstattung: 
   - Tageslichtkamera
   - Dämmerungskamera
   - Infrarotkamera

Quelle: FlugRevue


Tags: Luftfahrt - Unbemannte Aufklärungssysteme im Einsatz / Die UAVs der Bundeswehr 

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