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Astronomie - Sternentstehungs-Höhle mit Profil

 

NGC 3324 befindet sich in einer Entfernung von etwa 7500 Lichtjahren im südlichen Sternbild Carina (der Schiffskiel, ein Teil des ehemaligen, größeren Sternbilds Argo Navis, dem Schiff des Jason). Der junge Sternhaufen befindet sich am nördlichen Rand des Carinanebels, dessen chaotische Struktur durch mehrere solcher Sternentstehungsgebiete geformt wurde (eso0905). Vor etwa drei Millionen Jahren begann in der Gegend von NGC 3324, in der besonders viel Gas und Staub zur Verfügung steht, eine Episode intensiver Sternentstehung. Dabei bildeten sich auch einige sehr heiße, massereiche Sterne, die in der Aufnahme deutlich zu sehen sind.

Die Sternwinde und die intensive Strahlung dieser jungen Sterne haben einen Hohlraum in die umgebende Gas- und Staubwolke geblasen. Deutlichstes Anzeichen dafür ist die wandartige Struktur rechts von der Bildmitte. Die Ultraviolettstrahlung der heißen, jungen Sterne entreißt dabei den Wasserstoffatomen des Gases in ihrer Umgebung die Elektronen; anschließend werden die Elektronen wieder eingefangen und fallen schrittweise in niedrigere Energiezustände zurück. So kommt ein charakteristisch purpurfarbenes Leuchten zustande, das die Ausdehnung der ionisierten Gaswolke absteckt. Weitere Farben im Bild stammen von anderen chemischen Elementen. So ist zum Beispiel zweifach ionisierter Sauerstoff für das grünlich-gelbe Leuchten der zentralen Nebelregionen verantwortlich.

Ähnlich wie bei Wolken am irdischen Himmel lassen sich auch in kosmischen Wolken mit etwas Phantasie wohlbekannte Formen und Gestalten ausmachen. In diesem Falle ähnelt der Rand der Gas- und Staubwand in der rechten Bildhälfte dem Profil eines menschlichen Gesichts, wobei der “Hügel” im Zentrum der Nase entsprechen würde – genauer: dem Gesicht der chilenischen Literatur-Nobelpreisträgerin Gabriela Mistral, nach der NGC 3324 bisweilen auch Gabriela-Mistral-Nebel genannt wird [1].

Das Auflösungsvermögen des Wide Field Imager am MPG/ESO 2,2-Meter-Teleskop am La Silla-Observatorium der ESO macht in diesem Bild viele dunkle Strukturen in NGC 3324 sichtbar: Staub, der das Leuchten des Gases im Hintergrund abschirmt und so Schattenrisse erzeugt, die dem Anblick des Nebels zusätzliche Struktur und Tiefe verleihen.

Auch das scharfe Auge des Hubble Space Telescope wurde bereits auf NGC 3324 gerichtet. Hubble kann zwar noch feinere Details auflösen als der Wide Field Imager, hat allerdings ein ungleich kleineres Gesichtsfeld – ein direktes Beispiel dafür, wie sich Teleskope mit unterschiedlich großem Gesichtsfeld im Zusammenspiel ergänzen können.

Mehr darüber hier: http://www.eso.org/public/germany/news/eso1207/

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