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UFO-Forschung - Aus dem CENAP-Archiv: UFO-History Teil-84

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08.09.2006

"Deutsche Flugscheiben-Mythos": Mysterien der NAZI-Wunderwaffen

Geheimnisvolle Vergangenheit - Zum besseren Verständnis und der Aufklärung! Teil-1

Die Schatten unserer Vergangenheit sind durch Günther Grass und seiner Waffen-SS-Vergangenheit im späteren Drittel des August 2006 unerwartet über uns gekommen. 

Zunächst: In den letzten Jahren gab es wilde Gerüchte über einen UFO-Absturz 1936 im Schwarzwald. Wie Theo Paijmans aus den Niederlanden auf der Projekt 1947-Liste am 23.8.06 unter dem Betreff "Alien Technology in Germany, 1920" meldete, gab es dazu 1920 einen unerwarteten ´Vorläufer´ bzw Ausgangspunkt für diese Geschichte, wonach die ´Vril´-Gesellschaft die Technologie dieser Untertasse übernahm und für sich ausnutzte. Doch genau diese Idee war schon Inhalt eines deutschen utopischen Stumm-Spielfilms aus dem Jahr 1920 und wurde hier nur abgekupfert! Siehe so auch http://dieschwarzesonne.blogspot.com/ . Es geht hier um den Film "Algol: Tragödie der Macht" - siehe auch http://mitglied.lycos.de/algol/ . Wie hier auch bekannt wurde, ist das so genannte "Andromeda-Gerät" der Vril-Truppe mit dem "Freie-Energie-Motor" bereits in Nils Meyn´s Roman "Die Reise zur Venus", von dem Romanhelden Captain Mors durchgeführt, 1908 aufgegriffen worden. Zwischen 1908 und 1911 war die Sache so in Deutschland eingeschlagen, das insgesamt 165 Abenteuerromane dieses Captain Mors, der übrigens ansonsten mit einen ´Lenkbaren Luftschiff´ unterwegs war, erschienen. Da staunt man kaum noch, woher sich die Freunde des Fantastischen bedienen, nämlich auch aus dem Fantastischen. 

 

Haben Sie am Sonntag, den 30.Juli 2006, bewusst das TV-Programm geschaut? So war Nachmittags auf N24 eine zweiteilige Dokumentation über Kamikaze-Flieger ("Kamikaze - Tod für Kaiser, Führer, Vaterland") ausgestrahlt worden, am frühen Abend berichtete RTL II in "Welt der Wunder" über Nurflügel-Flieger und RTL am späten Abend in Spiegel-TV über die kürzliche Entdeckung des Wracks des einzigen je gebauten deutschen Flugzeugträgers aus dem Zweiten Weltkrieg - der "Graf Zeppelin" - durch die polnische Marine östlich der Danziger Bucht. Fangen wir mit der "Legende unter Wasser" hier an, die deswegen zum Mythos wurde, weil sie noch gegen Ende des Kriegs spurlos verschwunden war... Eines der letzten großen Geheimnisse der deutschen Seekriegsführung, welches nie zum Kriegseinsatz kam, wurde damit wieder aktuell. 

 

Polnische Ölbohrer hatte zufällig ein mächtiges Schiffswrack entdeckt und weitergemeldet. Am 26.7.06 wurde durch einen Tauchroboter der polnischen Marine der Fund bestätigt. Einst gab Herrmann Göring (1), als Chef der Deutschen Luftwaffe, den Koloss als maritimes Prestigeprojekt der Nazis aus und schickte ihn auf Befehl des "heißgeliebten Führers" (so in der Deutschen Wochenschau zum Stapellauf in Kiel) am 8.Dezember 1938 zu See, in einer Inszenierung die Deutschland vorher noch nie gesehen hatte - der Gigant sollte "Macht und Ansehen des Reiches mehren". Ende 1935 hatte Hitler selbst den geheimen Auftrag zum Bau des Flugzeugträgers gegeben. Die "Graf Zeppelin" sollte das größte und schnellste Schiff seiner Zeit werden. Doch sie war eine Fehlkonstruktion und kam nie zum Einsatz. Das Schiff ist zu schwer und die notwendigen Turbinenmotoren standen noch nicht zur Verfügung. Die angekündigte "Wunderwaffe" war in Wirklichkeit eine Bauruine, aber dies verschwieg man lieber dem Volk. Ansonsten war theoretisch der Flugzeugträger wirklich eine sehr fortschrittliche Ingenieursleistung gewesen, nur die Motoren eben viel zu schwach und die "Graf Zeppelin" musste immer von Schleppern bewegt werden. Mit Ausbruch des Kriegs konzentrierte man sich lieber auf die U-Boot-Waffe und ließ den Träger nach Stetin abschleppen, um ihn aus dem Auge zu haben. Kurz vor Kriegsende versenkt ein deutsches Sprengkommando das Schiff um es nicht in russische Hände fallen zu lassen... 

 

(1) = Göring war eine der schillerndsten Personen unter Hitler, vielleicht der beliebteste Nazi als "Erster Paladin des Führers" überhaupt - aber auch hemmungslos in seiner eigenen Selbstinzenierung. Hitler´s wichtigster Komplize auf jeden Fall - einer der einst versprach: Die Deutschen werden von mir vor allen alliierten Angriffe geschätzt. Sein Psychogramm: Eine manisch-exzessive Persönlichkeit, was einen sorgsam prüfenden UFO-Forscher wie mich an einen bestimmten deutschen UFOlogie-Promoter denken lässt. Eines von Görings Schlußworte vor dem Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozess beinhaltete den Satz: "Hauptsache 12 Jahre lang anständig gelebt." Will heißen: In Saus und Braus wie ein französischer Sonnenkönig, weswegen er sich gerne in prachtvollen Pracht- und Phantasie-Uniformen mit dem Feldherrenstab in der Hand zeigte. Göring hatte den Hang zum Rollenspiel, um seine eigenen Sonnenseiten in Szene zu setzen und zur Geltung zu bringen. Frei nach Brecht: "Fressen ist wichtiger als Moral." Deswegen war er auch als eine Art "Volkstribun" angesehen worden - und durchaus beliebt auch wegen seiner jovialen Art. Ein großspuriger Angeber in Wirklichkeit; ehrgeizig und intelligent wurde er zu einem der reichsten Nazis, weil er Ã?berall sich an den Kunstschätzen anderer Menschen gnadenlos bediente. Bereit, korrupt und kriminell zu sein, wenn es ihm nur selbst half. So sammelte er geradezu Orden und Ämter - Schuld hatten bei ihm sowieso immer die anderen, welche er auch schon mal durch seine Schergen kaltblütig ermorden ließ. Und gar ´Säuberungsaktionen´ befehligte, wenn es Widerstände gegen ihn gab. Auch so wurde er zum zweiten Mann im Dritten Reich. Zudem war er ein Hysteriker mit schwachem Charakter sowie Morphium-Süchtiger; ein Mensch der beliebt und umjubelt sein wollte. Und dafür auch alles tat. Gleichsam aber Kadavergehorsam einforderte. Schnell konnte er giftig werden, wenn es ihm keinen Spass mehr machte. Entscheidungsfreudig war er zudem auch nicht, seine späteren Untergebenen ärgerten sich darüber, weil Göring gerne wochenlang alles aufschob, Sachen teilweise in Vergessenheit geraten ließ und manchmal sich lieber in den Urlaub oder auf die Jagd verabschiedete als sachliche Entscheidungen zu treffen. Einer seiner Mitarbeiter nach dem Krieg: "Diese Dinge haben sich allmählich gesteigert, in gleichem Maße wie sein Besitzstand vom Blockhaus zum Schloss Karinhall, und sein Leben in Wohlstand und Luxus wuchs." Statt sich problemlösungsorientiert je nach Sachverhalt für die eine oder andere Seite zu entscheiden, förderte er zudem die Konflikte innerhalb der Luftwaffenführung: "Der Reichsmarschall spielte immer einen gegen den anderen aus und freute sich diebisch, wenn sie sich dann die Meinungen sagten, und machte mit kindlich lachendem Gesicht spöttische Bemerkungen zu den anderen Anwesenden. Er hat mir oft den Eindruck gemacht, dass ihm Zwiespalt zwischen maßgebenden mitarbeitenden Personen erwünscht und reibungsloses Zusammenarbeiten unerwünscht war, als ob er Angst davor hätte, dass die Männer eine geschlossene Phalanx gegen ihn bilden könnten." Göring als zweite Hand Hitler´s scheint mir wahrhaft nicht der Typ gewesen zu sein, der eine Nazi-Untertasse mit ihrer entsprechenden Logistik heimlich in Gang gebracht haben kann. 

 

Die Nazi-"Untertassen" und die deutsche Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg 

 

Die Nazi-Flugscheiben-Idee basiert zunächst darauf, was Göring ausgab: "Die Luftwaffe ist unschlagbar." Daraus entwickelte sich ein eigener Mythos, der aber keineswegs begründet ist, wenn man genauer hinschau - und dies möchte ich hier jenseits der Schauauftritte lohen Bedeutung für die NS-Wochenschau von Göring machen. Göring war ein ausgezeichneter Jagdflieger im Ersten Weltkrieg, wohl wahr. Deswegen heuerte ihn Hitler an. Aber die neue Luftkriegsführung hat er nicht wirklich verstanden und die moderne Technik darin hatte er kaum begriffen. Zudem leb te er in einer bizarren Welt aus Drogen, der Wildsau-Jagd und dem Kunstraub zur eigenen Bereicherung. Göring gab zudem den "Endlösungsbefehl" zur Judenfrage zur Wannseee-Konferenz frei. Vergessen dabei ist sein Bruder Albert Göring, der genau das Gegenteil von ihm war und sich als moralischer Mensch in einer auch von seinem Bruder inszeinierten unmoralischen Welt zeigte und Juden vor dem Untergang rettete. 

Vorausgehendes bedarf zusätzlicher Hintergrundbetrachtung im größeren Rahmen, wie es nachfolgend geschehen soll. Anders als Heer und Marine konnte die neue Luftwaffe auf keine langjährige Tradition zurückblicken und auf keine organisatorischen Erfahrungen zurückgreifen, als es in den ersten Jahren um den Aufbau einer funktionierenden Führungsebene ging. In Görings Personalpolitik spielten zwei Faktoren die entscheidende Rolle: Wichtigste Voraussetzung war die persönliche Beziehung zu Göring selbst. Loyalität gegenüber seiner Person war conditio sine qua non, folgend kam der Unterhaltungswert der jeweiligen Persönlichkeit hinzu, inwieweit sie Göring an die "guten alten Tage" erinnerte. Selbst schwerwiegende Zeugnisse von Inkompetenz waren in solchen Fällen, sofern sie seinem Ansehen keinen Schaden zufügten, kein Grund für Göring, sich von solchen Mitarbeitern zu trennen. Bruno Loerzer, den Göring in der Öffentlichkeit halb spaßend, halb ermahnend einen faulsten Generale genannt hatte, erreichte den Rang eines Generalobersts. Auf die Forderung nach Loerzers Ablösung aufgrund Unfähigkeit und ständiger Trunkenheit entgegnete Göring ablehnend, er brauche jemanden, mit dem [er] am Abend eine Flasche Rotspon trinken kann. Ähnlich lagen die Argumente Görings im Falle Oberst Ernst Udets, dem wohl bekanntesten Quereinsteiger (ehemals Luftakrobat, Filmheld und Lebemann) der aufgrund persönlicher Beziehungen in die Führungsebene der Luftwaffe aufgestiegen war und durch Göring zum Chef des Technischen Amts der Luftwaffe berufen wurde. Obwohl Göring von verschiedenen Seiten vor Udets mangelnden Fähigkeiten gewarnt wurde, ignorierte er alle diese Warnungen und machte einen Mann für die Forschung, Entwicklung und Beschaffung von Flugzeugen verantwortlich, der sich selbst als unqualifiziert ansah und sogleich bei seiner Antrittsrede seinen neuen Mitarbeitern klar machte, dass sie nicht allzu viel Verwaltungsarbeit von ihm erwarten könnten. Und ob Udet nun in dieser herausragenden Position ein Projekt "Nazi-Fliegende Untertasse" auf die Reihe brachte, möchte ich stark bezweifeln. 

 

Es ist in der Forschung nach wie vor umstritten, welche Auswirkungen die heterogene Herkunft des Offizierkorps auf die Effizienz der Luftwaffenführung hatte. Die gängige Ansicht geht davon aus, dass man die für die militärische Funktion notwendige Kohärenz des Korps skeptisch beurteilen müsse und dass die meisten (...) begreiflicherweise nicht die Voraussetzungen mit[brachten], um eine moderne technische Luftrü?stung übersehen und durchführen zu können. Richthofen und viele andere Offiziere ärgerten sich über von den Nationalsozialisten aus parteipolitischen Erwägungen ernannte. Emporkömmlinge wie Milch und Udet, die sich nicht hochgedient hatten und deren militärische Kompetenz angezweifelt wurde. Andererseits: Tatsächlich scheint sich die Zusammenarbeit in den neu entstandenen Stäben und Verbänden durch eine - im Vergleich zum Heer - relativ offene Kommunikationskultur eher positiv ausgezeichnet zu haben. Rangniederen Offizieren der Luftwaffe fiel es aufgrund der allgemein verbreiteten Gründungsstimmung recht leicht, neue Gedanken und Ansichten gegenüber Vorgesetzten offen zur Sprache zu bringen. Hingegen zeichneten sich die amerikanischen und britischen Luftstreitkräfte durch eine geistige Unbeweglichkeit gegenüber neuen Entwicklungen aus. Ausnahmen aber gab es da und dort. Und dadurch wurden wichtige Fortschritte möglich. In den Augen des Auslands war "Hitler´s Luftflotte das Modernste, was überhaupt existiert." Luftrüstungschef Milch hatte als Göring´s eigener Staatssekretär dafür mit einigem Arbeitseifer gesorgt - und erfuhr den Neid seines direkten Vorgesetzten, der so etwas gar nicht mochte und mit seinem übergroßen Egoismus ein antiproportionales Verhältnis zu einen mangelnden Leistungsbereitschaft besaß. Die Tragödie der Luftwaffe begann so also auch mit ihrer eigenen Führung schon von Anfang an. Auch ein später aufgetauchtes Papier (ohne Datum, ohne Unterschrift und Namensnennung) an den Chef des Generalstabes der Luftwaffe mit dem Titel "Vorschläge für die Änderung der Kriegsspitzengliederung" zeigte auf, das einige Leute doch in der Situation Änderungsbedarf sahen. Man nimmt an, das es von Generalleutnant Kesselring stammte, der sein Amt aufgegeben hatte, weil er erkannt hatte, dass ein jeder in der Nähe Görings nur scheitern konnte und er sich für einen solch aussichtslosen Posten zu schade war. In seinem Tagebuch fand man die Notiz: "Göring arbeitet nur im Notfall." 

 

Die Deutsche Luftwaffe im Kampf um die Luftherrschaft, um die Niederlage ab Frühjahr 1944 zu erfahren. Die massiven Bomberangriffe der Alliierten und die damit verbundene materielle Übermacht (aber auch die fehlende deutsche Luftaufklärung) sorgten nach und nach für einen Zusammenbruch der deutschen Industrie-Produktion und der bald aufkommende Treibstoffmangel brach der Luftwaffe das Rückgrat. Die Alliierten konnten ihre Verluste an allen Fronten problemlos ausgleichen, die Luftwaffe ging aber in der Folge den Bach unter. Zuerst wurde die Luftwaffe in einen Krieg geworfen, für den sie nicht wirklich gerüstet war, un dann produzierten die Alliierten allein 1943 mit 147.000 Flugzeugen tatsächlich dreieinhalbmal so viele wie Deutschland (24.800) und Japan (16.700) im ganzen Krieg zusammen. Technisch überlegene Düsenmaschinen kamen schlicht und einfach zu spät, um effektiv im Luftkrieg eingesetzt werden zu können. Wichtig zu wissen ist dabei auch: die Probleme entstanden durch den so genannten "Entwicklungsstopp" von 1940 durch Hitler. Es gibt nicht wenige Historiker, die die ehemaligen "obersten militärischen Feldherren Hitler und Göring" als Amateure betreffs der Luftkriegsführung ansehen und ihnen grobe Fehler und Unterlassungssünden in diesem Bereich vorwerfen. Ganz zu schweigen von der Fähigkeit dieser ´Führung´ überhaupt da und dort mal gewisse strategische Wirklichkeiten zu akezptieren. Dazu zählt auch die eigene Strategie umzustellen und Verteidigung- statt Angriffswaffen zu produzieren, das Heer bekam so kaum den benötigten Luftschutz zur Seite gestellt. Viel lieber brachten sie Wunderwaffen-Legenden in Umlauf mit der Behauptung, dass der Gegner aufgrund dieser Zauberwaffen "schon bald in seinem Blut waden werde". Wissen muss man: Verantwortlich für die Bereitstellung der materiellen und personellen Mittel sowie die Festlegung der Einsatzweise im Rahmen der von Hitler vorgegebenen Ziele und der zugestandenen Ressourcen auf strategischer Ebene war die oberste Luftwaffenführung. An deren Spitze stand lange Zeit der Oberbefehlshaber Göring. Unterstützend wirkten das Reichsluftfahrtsministerium (RLM) und der Generalstab der Luftwaffe. Deutschland hatte tolles technisches Personal und raffinierte Ingenieure (= dortige technische Kompetenz), aber die dynamischen Entwicklungen machten die Entscheidungsträger zögerlich, zudem die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes zunehmend wegen des Vielfronten-Krieges litt und Heer wie Marine Vorrang hatten. Air Vice Marshall Tedder, 1944 Chef der taktischen britischen Luftstreitkräfte im Westen, urteilte nach dem Krieg ausgeglichener als seine ehemaligen deutschen Gegner; nicht in einer oder zwei Disziplinen, nicht nur in der Quantität der Flugzeuge wurde die Luftwaffe geschlagen, sondern auf ganzer Linie: "The German Air Force was beaten on all counts: in command and direction, in strategy and tactics, in technique and moral, in quality and quantity." So wie ich es sehe, blieb da auch gar kein Raum für die sagenhafte "Hitler-Untertasse" zur Flucht nach Neuschwabenland. 

 

Grundsätzlich könnten natürlich deutsche Entwickler am Reißbrett und auf dem Papier fliegende Scheiben noch und nöcher entwickelt und aufgezeichnet haben, klar. Nur: um diese schließlich bauen zu können, musste die Politik und damit deren Entscheidungsträger überzeugt werden, damit die dann entsprechende Mittel bereitstellen. Was wieder etwas ganz anderes als Pläneschmiederei ist. Dazu gibt es in der realen Welt gar keinen Ansatz, aber auch gar keinen! Tatsache dagegen ist auch, das schon nach Kriegsende aktive Flieger der ehemaligen politischen Führung die Schuld für den verlorenen Kampf in der Luft und im Rüstungswettlauf gaben. Der General der Jagdflieger, Adolf Galland, musste so im April 1944 feststellen, dass der Ausbildungsstand der Amerikaner außerordentlich hoch sei und die Luftwaffe hingegen ihre besten Leute bereits verloren habe. Sein damaliger Luftwaffenkamerad, der spätere Inspekteur der Luftwaffe der Bundesrepublik, Johannes Steinhoff, bemerkte gleichzeitig einen Rückgang der Kampfmoral. Die Bedeutung dieser "menschlichen Faktoren" scheint, ganz im Gegensatz zu der bislang weitgehend fehlenden Beachtung, von entscheidender Bedeutung gewesen zu sein, das heißt ein rein technikorientierter Ansatz zum Verständnis der Lage und Situation reicht nicht aus. Rüstungstechnologische Entscheidungen waren zunächst einmal politische Entscheidungen im größeren Rahmen, die nur im Gesamtfeld der militärisch-politischen Strategie und der Herrschaftsstrukturen betrachtet werden können. Was freilich auch für den Mythos der "Nazi-Flugscheibe" gälte, über die so viele UFOlogen etc einfach als Legende mehr ´wissen´ als über den Krieg als solches und was die reale Geschichts-Forschung mit ihren ernüchternden Bildern dazu sagt. Oder die Tagebücher von Major Engel, Hitler´s Luftwaffen- und Heeres-Adjutantem bis 1943, oder Nicolaus von Below, der den Job weiterhin bis zum bitteren Ende inne hatte - beide berichteten nie etwas von Nazi-UFOs etc. Göring war der Informationskanal zu Hitler, der jenen über den Stand der Luftrüstung und die Neuentwicklungen der Luftwaffe informierte. Dieser wiederum übertrieb maßlos bezüglich der Stärke der Luftwaffe und der Luftrü?stung, wenn es galt, sich selbst im hellsten Lichte zu präsentieren. Auch zögerte er nicht, Hitler die technisch sinnlosesten Dinge, deren Unumsetzbarkeit ihm teilweise durchaus bewusst war, zu versprechen. (1) Die regelmäßige und gezielte Weitergabe falscher Informationen führte schließlich zu einer weiteren Überschätzung der traditionellen Möglichkeiten der Luftwaffe durch Hitler. Und selbst an der Luftwaffenerprobungsstelle Rechlin kam es schon vor, das Hitler zwar die neuesten und geheimsten Luftwaffen-Produkte zu sehen bekam, aber man ihm da und dort in Sachen Parameter Leistungen vorstellte, die so nicht ganz einzuhalten waren. Da war viel Schönrederei im Spiel. 

 

(1) = Als es dann eng wurde und er Hitler´s Vertrauen als designierter Nachfolger verlor, jammerte er herum und klagte, dass die Flugzeugindustrie an allem Schuld sei, da sie unausgereifte Prototypen vorführte ohne es zuzugeben, welche teilweise erheblichen Mängel sie haben. Göring später (vorher aber noch ´sachkundig´ behauptend, dass die deutsche Luftwaffe "unschlagbar" mit all diesen Neuerungen sei und Hitler damit positiv einvernahm) in seiner Wortgescheidigkeit: "Viele Maschinen waren nur Prototypen, nicht ausgereift. Welche Stümper sind nur alle unsere Zauberer? Was mir da und vor allem dem Führer vorgezaubert wurde ist überhaupt nie erreicht worden." Görings Adjutant Jeschonek nahm sich daraufhin wegen all der Falschheit seines Chefs das Leben und schrieb im Abschiedsbrief: "Ich kann so mit dem Herrn Reichsmarschall nicht mehr zusammenarbeiten." Göring selbst spielte wie so gerne ob der Nachricht vom Ableben seines Adjutanten in einer Schale mit Diamanten... - und bekam dabei glasige Augen. Kranker Kommentar Görings in Anwesenheit des italienischen Außenministers als Göring Hof im schloßartigen Karinhall hielt, um auch deutsche Fliegerhelden auszuzeichnen, die von der Ostfront gerade kamen: "Man muss mit Diamanten spielen, um mit Menschen spielen zu lernen." Was war dies nur für eine verkommene Sippschaft? In der ZDF-Dokumentation "Göring - Eine Karriere" sprach der damalige ausgezeichnete Jagdflieger Günther Rall zu dieser Situation, der er beiwohnte: "Das war ein Schlag ins Gesicht für mich, der aus der Sch... der Ostfront gerade zurückkam. Und dann sprach der Göring mit seinen Begleitern von der Jagd, das war das Thema, während er neben Orden ausgab. Ein Fachgespräch hat gar nicht stattgefunden." Wolfgang Falck, Kommdore des Nachtjagdgeschwaders 1 für Deutschland, war ebenso dabei: "Der wollte gar nicht wissen was los ist. Machte zwar auf den großen Feldmarschall, hatte aber vom Tuten und Blasen keine Ahnung. Er war völlig truppenfremd geworden. Der Oberbefehlshaber wirkte abwesend, teilnahmslos und ungeduldig. Ihn interessierten mehr die Hirsche in Rumänien und er führte dann einen selbstgedrehten Film von seiner dortigen Jagd vor. Naja, schließlich hatte er sich den extra für ihn erfundenen Titel des "Reichsjägermeister" ans Revers geheftet gehabt. Er sagte dazu: ´Das, meine Herren, ist die Lage, die mich wirklich interessiert.´" Dies hört sich jetzt wie eine Satire aus einem Mel Brocks-Film an, ist leider aber Realität gewesen. Da hat die Phantasie von Charlie Chapplin nicht ausgereicht, um so etwas in seinem Film "Der große Diktator" einzubringen. 

 

Hitlers immer anwesender Adjutant: "Während die einen versuchten, Hitler nüchtern die Sachlage im Rüstungsbereich darzustellen, versuchte Göring bei Hitler den Eindruck zu erwecken, dass die von ihm befohlene Leistungs-Vergrößerung der Luftwaffe in jedem Fall vorgenommen werde." Dazu zählten auch falsche Versprechungen über den Einsatztermin neuer Entwicklungen; ´griff´ Hitler zu, wurde die "schnellste Einführung bei der Truppe" zugesagt - wobei aber meist "in zwei bis drei Jahren" gemeint war und Hitler ganz anders und kurzfristig dachte. So entstand bei Hitler das Gefühl, über eine unüberwindliche Luftwaffe zu verfügen, welche ihren Gegnern eindeutig überlegen sein würde. Und er schadronnierte deswegen auch Ã?ber Wunderwaffen. Er erkannte viel zu spät, wie sein Kumpel Göring ihn aus eigenem Interesse hier linkte und alles schönredete. Aber da Göring seine Loyalität bekundete und der NS-Führer genau daraus als die größte deutsche Tugend achtete und Wert legte, ließ er ihm viel zu viel durchgehen. Zudem bekam er auch nicht alles mit bzw fiel dann auf die rhetorische Schönfärberei herein, auch weil er sie liebend gerne vernahm. Der repräsentative Auftritt Görings in der deutschen Öffentlichkeit gefiel ihm zudem, weil er damit den freundschaftlichen Nazi in der jovialen Maske des Regiems hergab. Unersetzlich - und damit eine Sonderstellung einnehmend. Dieter Wellershoff als einer der soldatischen Beschützer und Leibwächter Görings in der bereits erwähnen ZDF-Sendung: "Er war nur ein Akteur auf der Bühne des Nazi-Reiches, für mich keine Respektsperson. Er hatte menschliche Züge, aber er war mir sympatischer als eine Figur wie Himmler. Gleichzeitig war seine Ausstrahlung in ihrer Grobheit die eines Egomanen; eines Menschen der deswegen eine Grausamkeit zeigen konnte, die nur auf seine auf Show egomanisch begründet ist und deswegen um jeden Preis seinen Weg geht." Görings Neigungen, unerfreuliche Nachrichten zu verschweigen und eigene Erfolge maßlos zu übertreiben, sind zweifelsfrei belegt. Die Bevorzugung ausgesprochener Opportunisten bei der Personalauswahl zur Besetzung hoher Posten führte teilstreitkraftübergreifend zu einer Verwässerung und Verschlechterung der militärischen Führungsqualität. Hinzu trat bald schon ein grundsätzliches Defätismustabu, das weiten Teilen der militärischen Führungsebene im weiteren Verlauf des Krieges sehr helfen sollte, einen ansonsten logisch nicht begrÃ?ndbaren Optimismus aufrechtzuerhalten. (1) Noch am 28.6.1940 sah Hitler gegenüber Keitel in dem Waffengang gegen die Sowjetunion ein "Sandkastenspiel" und glaubte England mit der bereits am Horizont sich abzeichnenden V1 "mit Gewalt zum Frieden zwingen" zu können (als ´Plan B´ sah Hitler dann gar eine Invasion seines Heeres in England durch Heeresgeneralstabschef Halder vor!). "Blitzkrieger" Hitler sollte sich aber mehr und mehr verrechnen, weil es zu einem Abnutzungskrieg kam und sich daraus der "totale Krieg" entwickelte. 

 

(1) = Hier ein Beispiel: Die Entscheidungsprozesse innerhalb der Luftwaffenführung kommentierend, erinnerte sich der damalige Generalstabschef des Heeres Generaloberst Zeitler nach dem Krieg an eine Anekdote, die in der Zeit nach Stalingrad im OKH und OKW die Runde machte: Der Stab erklärte Jeschonnek, die Versorgung der 6. Armee sei "unmöglich". Jeschonnek schwächte das unmöglich in "kaum möglich" ab und berichtete Göring. Göring, wiederum in seinem Bemühen Hitler zu gefallen, wandelte es aber in "möglich" ab und trat damit vor seinen Führer. 

 

Die legendäre Luftschlacht um England und der britische Sieg ließ Göring bei Hitler nicht mehr gut aussehen, weil der Dicke die englische Luftabwehr völlig unterschätzte, was zum Fiasko führte. Neben den maschinellen Verlusten war die deutsche Luftwaffe personell dabei "ausgebrannt" worden, wie Adolf Galland, damals Geschwaderkommandeur, es auf den Punkt brachte. Hitler soll bei einer Lagebesprechung unbeherrscht getobt haben, auch weil Göring an ihr nicht teilnahm um Rechenschaft abzulegen und viel lieber auf Jagd unterwegs war, um eine Wildsau zu erlegen. Nach außen hin machte man für das Debakel über England "das Wetter schuld". Albert Speer kam da viel zu spät als Nachfolger Göring´s ans Ruder, hatte da aber noch einiges ´Verträumtes´ als Künstler im Kopf. Bis 1944 hatte die deutsche Luftrüstung eine Sonderrolle in der Kriegswirtschaft eingenommen, auch weil Hitler sich kaum in die Luftwaffenführung einmischte und in Luftrüstungsfragen ihr ziemlich freie Hand ließ. Schließlich gab es eine verpasste echte Mobilisierung der deutschen Luftrüstung. Auch dies muss man einfach wissen, bevor man sich überhaupt irgendwelche unnütigen Gedanken zum Zeitvertreib über Hitler´s "UFOs" macht, die nur ein Treppenwitz der ufologischen Historie sind. Die üblichen Entwicklungsprozesse, zuerst Bau und ausführliches Testen eines Prototypen, anschließend die Herstellung und Erprobung einer so genannten Null-Serie von mehreren Vorserienmaschinen und dann erst Beginn der industriellen Serienvorbereitung, benötigten erfahrungsgemäß drei bis fünf Jahre... Dazu muss man auch wisssen, das z.B. Ende 1939 die späteren echten "Wunderwaffen" als Düsenjäger und Raketenmotorflieger noch nicht einmal auf dem Reißbrett existierten! Zudem hatte die Luftwaffe immer das Problem bei ihren einzelnen Operations-Komponenten einen "technischen Nachbesserungsbedarf" zu erfahren, weil gerade in den 40er Jahren die Flieger zu schnell und zu ´unreif´ ins Feld geworfen wurden. Die Ju88 ist da nur ein Beispiel dafür. Sie wurde als "Wunderbomber" deklariert, der bald die Meere beherrschen sollte. Doch bis zum Kriegsende hin war sie nur ein eher durchschnittliches Flugobjekt geblieben, weil sie die politischen Anforderungen an sie technisch gar nicht leisten konnte. Echte Fernkampfflugzeuge waren für die deutsche Luftrüstung grundsätzlich ein Problem. Erst im Sommer 1941 sprach Hitler der Luftrüstung die höchste Priorität zu, aber da war die Industrieproduktion schon rückläufig geworden. Man wusste sich jetzt nur noch zu helfen, indem der Staat mit Beschlagnahmung von Maschinen und Rohstoffen im Reich begann und zur Zwangsverpflichtung von Arbeitskräften griff. Doch die immer stärker werdenden amerikanischen Bombenangriffe auf das industrielle Deutschland bereiteten zunehmend ernste Probleme. Erst im Frühjahr 1942 ließ sich Hitler eine Rüstungs-Potenzial-Analyse Amerikas durch den Leiter des SS-Auslandsnachrichtendienstes Schellenberger anfertigen - und staunte. Was er hier über die "amerikanischen Untermenschen" erfuhr ließ ihn Schellenberger anbrüllen: "Alles, was Sie da geschrieben haben, ist Quatsch. Sie lassen sich am besten auf Ihren Geisteszustand untersuchen." (Nach Goebbels Tagebucheintrag und Speers Aussagen in den ´Kransberg-Protokollen´.) 

 

Er hatte Amerika unterschätzt und gleichzeitig entwickelte sich die Lage keineswegs wie vorgesehen durch die hohen Verluste an der Ostfront. Hinzu kam ein wachsender Widerstand der Flugzeugunternehmen, weil scheinbar in der Berliner Führung keiner wirtschaftlich denken konnte und die einfachsten Grundsätze eines Kaufmanns Ã?bersah. Tatsächlich hatte dort keiner eine kaufmännische Ausbildung. Da waren aber auch durch die Wunderwaffen-Versprechungen der Industriemogule hochfliegende Träume entstanden, die in einigen Bereichen weit an den realen Möglichkeiten vorbeigingen. Die politischen Entscheidungsträger hatten nicht die technische Kompetenz um zu sehen, was möglich und was unmöglich war. Deswegen sah Hitler auch die V2 zunächst als keine ernstzunehmende Waffe an und ließ von Braun damit ´hängen´. (1) Egal, der gesamte Generalluftzeugmeister-Bereich im Technischen Amt wurde restrukturiert - indem einfach Personal in Schlüsselpositionen ausgetauscht wurde. Udet fühlte sich verraten und beging mit Kopfschuß Selbstmord - wobei er mit Kreide die Worte "Eiserner, Du hast mich verraten!" zuvor an das Kopfteil seines Betts schrieb. Die überraschende sowjetische Winteroffensive machte dann alles noch enger. Hitler schickte zur Unterstützung seines italienischen Kumpels starke Luftwaffenverbände in den Mittelmeerraum, um da eine weitere Front aufzumachen. Im Radio lief gerade "Wochenend und Sonnenschein". Parallel einher gab es im Reich überall Dezentralisierungstendenzen. Klare Regelungen wurden mehr und mehr zur Ausnahme. Zwei Charakterzüge Hitlers verhinderten eine Eindämmung der um sich greifenden Dezentralisierungstendenzen. Zum einem seine seit Kriegsbeginn zunehmende Unlust, sich mit tagespolitischen Regierungsangelegenheiten zu beschäftigen. Zum anderen seine Neigung, sich bei strittigen Fragen zwischen von ihm als gleichermaßen bedeutend eingeschätzten Stellen um klare Entscheidungen zu drücken, welche lediglich die Bildung neuer miteinander konkurrierender Machtzentren - in allen gleich ob politischen, militärischen oder wirtschaftlichen Bereichen - förderte und die bereits bestehenden schwächte. 

 

(1) = Man muss es sehen wie es ist: Alleine das V2-Projekt verschlang Entwicklungspotential, Rohstoffe und Arbeitskräfte, mit denen zusätzliche 24.000 Jagdflugzeuge hätten produziert werden können, und der Sprengstoffverbrauch des militärisch sinnlosen V2-Beschusses in der Zeit Juli bis September 1944 betrug die Hälfte des gesamten Verbrauchs der Wehrmacht im entsprechenden Zeitraum. 

 

Im nationalsozialischen System gab es, so unglaublich es sich anhört, einen richtigen "Kompetenzen-Wirrwarr". Die nicht aufeinander abgestimmten Rüstungspläne führten zu Engpässen bei der Rohstofferzeugung und -verteilung, welche sich nicht an den gegebenen industriellen Kapazitäten orientierte, sondern an den Planungsdaten der Wehrmachtsteile, welche natürlich mehr als nötig forderten, um gegenüber der Konkurrenz keinen Boden zu verlieren. Speer sollte als "Generalbevollmächtigter für Rüstungsaufgaben" ab 9.Februar 1942 das Ruder herumwerfen. Wochen später hatte sich Speer eingearbeitet und viele Probleme erkannt und seinem Führer klar dargelegt, weswegen eine unverzügliche Reorganisation der Heeresrüstung überhaupt angeordnet wurde. Was Göring versaubeutelt hatte, musste Speer nun flicken. Durch die Einbeziehung von zivilen Fachleuten konnte die mangelnde Sachkompetenz der Militärs ausgeglichen und Effektivitätsvergleiche durchgeführt werden. Da lief der Krieg schon Jahre! Reibungsverluste durch interne Machtkämpfe gab es aber weiterhin. Für die Luftrüstung war jedoch gerade die Arbeiterfrage von entscheidender Bedeutung, da sie aufgrund ihrer im Wesentlichen auf Universalwerkzeugmaschinen basierenden Produktion stark auf den Einsatz von Facharbeitern angewiesen war. Die Dezentralisierung fand Ende 1942 ihren Höhepunkt, als die Gauleiter (von denen sich nicht wenige selbst als ´kleine Sonnenkönige´ empfanden und sich auch genau so verhielten) zu Reichsverteidigungskommissaren ernannt wurden, um die Kriegs- und Rüstungsanstrengungen regional zu koordinieren. So begann die Luftrüstung bereitwillig und schneller als andere Industriesparten auf Kriegsgefangene und zwangsverpflichtete Ausländer zurückzugreifen. Die ungelernten Arbeiter, größtenteils Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, gerieten jedoch bald an die Grenzen ihrer Produktivität, weil es in erster Linie an fähigem Führungspersonal fehlte, um sie anzuleiten und zu beaufsichtigen. Diese branchenspezifische Problematik der besonderen Abhängigkeit von Fachkräften führte zu einer ständigen Überforderung der Fachkräfte (auch durch eine 60- und 72-Stunden-Woche) und der Verhinderung der allgemeinen Einführung eines Mehrschichten-Arbeitssystems. Eine weitere Folge dieses Raubbaus an den Arbeitskräften war eine konstant geringe Arbeitsmoral seitens der Belegschaften. 1943/1944 gab es dann die systematische Zerstörung der Flugzeugwerke. Wichtig auch: Eine ausreichende Versorgung der Luftrüstung mit facharbeitersparenden Spezialwerkzeugmaschinen konnte wegen schwerer Versäumnisse in der Vorkriegszeit und während der ersten Jahre bis zum Kriegsende nicht erreicht werden. 

Eine Möglichkeit, die begrenzten menschlichen und materiellen Mittel Deutschlands zu erweitern, stellten die Integrationsversuche der Luftfahrtindustrien in den industriell hoch entwickelten besetzten Gebieten dar. Richtig ist: Mit der Besetzung großer Teile des industriell entwickelten Kontinentaleuropas fielen weitere beachtliche Fertigungskapazitäten im Flugzeugbau unter die deutsche Herrschaft. Doch die Motivation der Firmen in den besetzten Gebieten für den Feind zu produzieren war naturgemäß gering, man arbeitete zu langsam und mangelhaft wie nur möglich. Weiterhin führte die deutsche Handhabe, Arbeitskräfte nach Deutschland zu deportieren dazu, dass zahlreiche Arbeitskräfte sich absetzten und somit auch ihren Heimatfirmen verloren gingen. Zum anderen waren die deutschen Unternehmen nicht bereit, die notwendigen Investitionen aufzubringen, um die Produktion ihrer ´Partnerunternehmen´ anzukurbeln. Neben einer allgemein niedrigen Investitionsbereitschaft kamen noch Transportprobleme, die Furcht vor Technologietransfers und der Schaffung einer Nachkriegskonkurrenz sowie unklare rechtliche Verhältnisse hinzu. 

 

Qualität war schließlich auch nicht mehr wirklich die Frage, sondern nur noch Quantität. Der Industrie war es fast egal, Hauptsache man konnte die Gewinne noch vergrößern, da es ein Festpreissystem per abgeliefertem Stück gab. Großausstoß war angesagt, was übrigens parallel zu einem rapiden Abbau der Materialvorräte führte. Ein weiteres Problem waren laufend wechselnde Produktionspläne und regelmäßige Detailänderungen die zu einer häufigem Umstellung der Produktion bei den einzelnen Flugzeugmustern führte, was auch an die vorhandenen Ressourcen wie Personal und Maschinen ging. Im August 1944 verfassten Ingenieure der Luftwaffenerprobungsstelle Rechlin eine Denkschrift an das Reichsicherheitshauptamt der SS in Berlin, in welcher sie ihrem Ärger Luft machten und über die "vollkommen ineffiziente militärische Bevormundung" ihrer Stelle beklagten. Viel zu viele technische Möglichkeiten blieben ungenutzt, weil ideologische Parteileute ohne Kompetenz über sie hinwegbestimmten. Die Männer von Rechlin gingen sehr weit: "Würde man heute imstande sein, eine wahrheitsgetreue Darstellung, eine objektiv richtige Geschichte der Technik in der Luftwaffe der letzten Jahre zu schreiben, dann würde schon heute ein Unbeteiligter oder erst recht ein Nachfahre das Ganze für eine mit krankhafter Phantasie erfundene und ersonnene Satire halten. Denn es würde niemand im Ernst annehmen, dass es in Wirklichkeit so viel Unzulänglichkeit, Pfuscherei, Verworrenheit, Macht am falschen Platz, Verkennung der objektiven Wahrheit und Vorbeilaufen an den vernünftigen Dingen insgesamt überhaupt geben kann. Ganz offen stehen derartige Erscheinungen z.Zt. in einer Hochform in Bälde, ja, man hat den Eindruck, dass sich die Dinge von einer imaginären diabolisch-meisterhaften Hand dazu geführt, einem Kulminationspunkt nähern, in dem die Anarchie zum Prinzip und das Chaos zum Kennzeichen einer Organisation und Situation geworden ist, einer Situation, in der nur die höchste Disziplin und die kristallklare Ratio das Heil bedeuten können." 

 

Das Schreiben wurde abgebügelt, indem man plötzlich das Personal als "keine unbedingte Auslese der deutschen Technikerschaft" herabstufte und die Klage links liegen ließ. Außerdem gab es 1940 einen ausgerufenen "Entwicklungsstopp", weswegen in der Industrie insgeheim an Projekten weitergearbeitet wurde. Tatsächlich gelang es auch einigen Größen sich immer wieder an Hitler zu wenden und ihm unter Vorgauklung technischer Phantastereien immer wieder neue Entwicklungsprojekte der Flugzeug-Modelle der "Dritten Generation" schmackhaft machen, zu denen er dann persönlich die Freigabe aussprach - dies waren dann die Düsen- und Raketenmotorenflieger gewesen. Doch die Entwicklungszeiten blieben dabei immer noch bei drei Jahren und mehr. Die Geschichte zeigte, dass dies für die genannten neuen Flieger zu spät war. Zudem ging man mit diesen Maschinen völlig neue Wege, ungenügend erprobte Wege in der Aerodynamik, so dass unerwartete Schwierigkeiten auftauchten. Der Serienbeginn wurde zwar befohlen, aber die Wirklichkeit in Fragen der Machbarkeit sah anders aus, weil die Flieger der "Dritten Generation" durchweg instabil im Flug waren, erfahrene Testpiloten konnten sie beherrschen - Frontpiloten waren damit aber überfordert. Gleichsam begann aber auch ein riesige öffentliche Werbekampagne der einzelnen Flugzeugfirmen in der sie sich mit ihren künftigen Leistungen gegenseitig überboten und so für eine Mystifizierung und Glorifizierung der Branche und ihrer Konstrukteure sorgten. Der Propagandaminister selbst kümmerte sich um das Ansehen der so genannten "Götter der Wissenschaft" mit solchen Sprüchen: "Das Reich dröhnender Motoren, himmelsstürmender technischer Entwicklungen, grandioser industrieller Schöpfungen, weiter, fast unerschlossener Räume, die wir für unser Volkstum besiedeln müssen, das ist unser Reich der Romantik." 

 

Den Konstrukteuren, die parallel Entwicklungsleiter der Unternehmen blieben, fiel es daher nicht schwer, ihre Popularität im Volk und ihr Gewicht bei einzelnen nationalsozialistischen Größen dazu einzusetzen, um sich dem RLM gegenüber größere Freiheiten herauszunehmen. Der Ehrgeiz einzelner Unternehmen und Konstrukteure, in allen Bereichen vertreten zu sein, ließ sich auf diese Weise nicht bremsen, zumal sie wie beispielsweise Messerschmitt persönlich bei Hitler vorstellig werden konnten, um Sonderentwicklungsaufträge zu erwirken, in die Luftrüstungspläne einzugreifen und eigene Flugzeugtypen in die Lieferprogramme zu setzen. Dabei nutzten sie auch gegenüber Hitler dessen mangelnden technischen Sachverstand zur Befriedigung des persönlichen Ehrgeizes. Zusätzlich griff auch Hitler gerne auf seine "Lieblingskonstrukteure" zurück, um eigene Flugzeugentwicklungen in Richtung des "perfekten Kriegsgerät" zu initiieren. Das Technische Amt, von Hitlers "Eingebungen"und den seitens der Konstrukteure bereits geleisteten Vorarbeiten überrascht, stand dann ohnmächtig da. Die Entfeinerung und Vereinfachung der dringend notwendigen Massenfertigung von Standard-Flugzeugen wurde damit behindert. Hitler begriff einfach nicht, welcher benötigte industrielle Aufwand angekurbelt werden muss, wenn immer neue Ideen zum Umsetzung mit all ihren normalen Änderungen und Eingriffen im Entwicklungsprozess gelangen sollten. Das Grundprinzip einer rationellen Fertigung wurde damit ausgehöhlt. Und der Generalluftzeugmeister hatte viel zu tun, um schließlich nur wirklich den aussichtsreichsten Entwicklungen seine Unterschrift zu geben. Erst im November 1944 konnte diesem Wahnsinn aufgrund der Frontsituation für Deutschland grob Einhalt geboten werden. Im Brennpunkt aller Mühen standen die Jagdflieger. 

 

Nun müssen wir uns mit der Frage beschäftigen, wie die Luftwaffenführung es mit dem Faktor "Technik" hatte und wie der Wettlauf um die Technologieführung ausschaute. Überlegenheit konnte man nur mit besseren und schlagkräftigeren Fliegern erlangen. Spätestens ab Herbst 1942 wurde die technische Blöße der deutschen Luftwaffe gegenüber dem Gegner in diesem Bereich da und dort erkannt. Düsenjäger wie Me-262 oder der Raketenmotorflieger "Fliegender Floh" kamen als Luftüberlegenheitsjäger zu spät. Zudem fehlte es inzwischen auch an den hierfÃ?r notwendigen hochqualifizierten Treibstoffen. Milch hatte zudem die Position eingenommen: "Nur das Primitive hat immer wieder Erfolg, weil es schneller durchgesetzt werden kann und schnell von den Trägern der Waffen kapiert wird und von ihnen richtig angewendet werden kann." Milch vertrat die Ansicht, es könne bis zum Kriegsende nichts revolutionär Neues mehr geschaffen werden, weil inzwischen dazu die Mittel fehlten! In der Wehrmacht herrschte zudem die Tendenz, "Techniker und Wissenschaftler geringer zu bewerten als den Offizier. Das Offizierkorps fühlte sich eher zu den taktisch-operativen Fragen hingezogen". Aufgrund personalrechtlicher Bestimmungen konnte ein ziviler Spezialist sowieso nie so etwas wie ein Vorgesetzter von Soldaten sein. Erst im Angesicht der totalen Niederlage, im März 1945, besann sich der Generalstab schließlich und ordnete "zur Förderung des Verständnisses technischer Zusammenhänge, besonders der höheren Kommandostellen" entsprechende Einweisung durch Ingenieure an... Ergebnis: Die Bestückung der Sturzkampfbomber von Typ Ju87 mit Sirenen, die beim Bobenangriff demoralisierende Geräusche von sich gaben, oder der Einsatz von Lastenseglern gegen belgische Forts. 

 

Wichtig zu wissen ist auch: Das Technische Amt unterstützte die Arbeiten verschiedener Konstrukteure und Firmen im Bereich alternativer Antriebsformen als das "Vulkan"-Projekt, so auch die Arbeiten "an Einsitzern mit Luftstrahltriebwerken" - was u.a. schließlich zur Me262 führte. Besonderen Schub erfuhr "Vulkan" Anfang Februar 1944, als der General der Jagdflieger nochmals lautstark danach rief, um endlich einen Durchbruch zu erfahren. Bis dahin hatten entsprechende Konstrukteure nur "eine mangelnde Aufmerksamkeit" für ihre ferngelenkten Flugkörper, Strahl- und Raketenflugzeuge erfahren gehabt. Messerschmitt warf nach dem Krieg Milch vor verantwortlich dafür gewesen zu sein, dass die Me262 zu zögerlich entwickelt werden konnte und ohne Entschlußkraft derartige Zukunftsentwicklungen versäumte, sonst wäre die Me262 "schon jahrelang einsatzbereit gewesen". Der sowjetische Geheimdienst wies dies aber zurück, weil schlichtweg und im Wesentlichen "technische Ursachen für die Verzögerungen verantwortlich waren". Man war einfach nicht soweit. Sicher, die Maschinen waren ein Schritt in die Zukunft der Fliegerei, aber unter der gegebenen Lage war die Zeit noch nicht reif dafür. Zu neu war das Terrain und viele Rückschläge verzögerten die Entwicklung und von echter Serienreife der Triebwerke war man noch Wochen vor Kriegsende weit entfernt, weswegen es hohe Verluste bei den Testpiloten gab. Die zugrundliegende Technologie forderte einen "ungeheuren Aufwand, wobei noch viel grundsätzliches der Klärung bedarf", so Dipl.-Ing.Wolfram Eisenlohr vom Technischen Amt in seinern 1955 veröffentlichen Erinnerungen an die ultimativen "Wunderwaffen". Und selbst die ab Sommer 1944 ausgelieferten paar Dutzend Maschinen wurden mit einem Magengrummeln der verantwortlichen Ingenieure ausgegen, weil sie keine wirklich befriedigenden Lösungen darstellten. Die unzuverlässige Technik führte zu Störungen und die Triebwerke verfügten über eine Einsatzzeit von gerade einmal zehn Stunden. Die Triebwerkswartung bedurfte speziell ausgebildeter Techniker und besondere Werkzeuge. 

 

Selbst der Kommandeur des Me262-Erprobungskommando "Nowotny" musste eingestehen, dass die hohen Verluste infolge fliegerischer Unzulänglichen und nicht durch gegnerische Jäger zustande kamen. Weiterhin ist anzumerken, dass die Me262 den langsameren, aber wendigeren gegnerischen Jägern im Kurvenkampf tatsächlich unterlegen war und in niedrigen Höhen auch keinerlei Geschwindigkeitsvorteile besaß. In Verbindung mit ihren unzuverlässigen Turbinen stellte sie für die alliierten Jagdflieger keine ernstzunehmende Gefahr dar, so dass diese geradezu erpicht darauf waren, sich in Kämpfe mit den "Jet Fightern" einzulassen, in der Hoffnung, einen als Trophäe abzuschießen. Entscheidend für ihr Versagen war, dass lediglich ihre Triebwerke revolutionär waren, während der Rest konventionell blieb. Einzelne ordinäre Komponenten, die in der Entwicklung noch um Jahre zurücklagen, konnten das gesamte Produkt in seinen Leistungen beschränken. Exemplarisch dafür ist die konventionelle Bewaffnung der Me262 anzuführen, die sie auch zu konventionellen Angriffsverfahren zwang, bei denen sie dem gegnerischen Abwehrfeuer nicht weniger ausgesetzt war als Kolbenjäger. Verwendungsfähige ferngelenkte Boden-Boden-, Boden-Luft- oder Luft-Luft-Raketen hätten auch Ende 1945 noch nicht zur Verfügung gestanden. Schließlich sollten sich nicht nur die Wunderwaffen der Luftwaffe als kostspielige Versager in strategischer Hinsicht erweisen. Auch die anderen Wunderwaffenprojekte - allen voran das V2-Programm - konnten nicht die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen. Auch hier verhinderte das Fehlen einzelner Komponenten die Entwicklung eines militärisch sinnvollen Waffensystems: Ohne präzisere elektronische Zielsteuerungsvorrichtungen konnte die V2 mit ihrem konventionellen Sprengkopf nicht den erhofften Schaden anrichten. So sah es wirklich aus. Trotzdem gab es wohl aus der Not heraus (und auch mit dem Rücken an der Wand) weiterhin Schönfärberei. 

 

Trotzdem ergab es eine erstaunliche, historische Legendenbildung um die Me262 und Me163, welche der Realität nicht gerecht wurde. Zu der Zeit gab es einfach zuviele unüberbrü?ckbare Probleme mit diesen Maschinen. Der Generalstab und auch Hitler wurden darüber informiert, aber in den letzten Tagen war ihnen alles egal und sie hielten an ihren "Wunderwaffen" für das Dritte Reich fest. Obwohl sie keine strategische Bedeutung mehr hatten, haben konnten. Galland berichtete später, das Hitler ganz vernarrt in die Me262 und Me163 war und in ihnen die letzte Rettung hineinprojizierte, obwohl er und die militärische Führungsschicht sich gar nicht wirklich mit den vorliegenden technischen Informationen hierzu beschäftigte und nur davon träume, wie es einst mit diesen Fliegern mal sein werde. Hitler versprach so Rommel im April 1944, das jener "baldigst eine erste Auslieferungsrate von 1.000 Strahlflugzeug-Wunderwaffen" erhalten werde. Dem OKW versprach Hitler ebenso im Juli 1944 die ersten Me262 zur Anwehr der Invasions-Landeköpfe in der Normandie bereitstellen zu können, man müsse nur noch "ein bis zwei Wochen" aushalten. Selbst Speer nickte dazu, wissend, dass dies nur mehr eine Durchhalteparole ist. Galland nannte dies dann die Ideen "eines Laien, die kuriose Eingebung eines Augenblicks". Grund: Während einer Besprechung mit seinen beiden Generalfeldmarschällen der Westfront, Rundstedt und Rommel, am 17.6.1944 in Margival äußerte Hitler seine Enttäuschung über den vermeintlichen Betrug der Techniker im RLM und der Luftwaffenführung, die ihn über Jahre hinweg mit falschen Wunderwaffen-Versprechungen betrogen hätten. Rommel hörte dies mit Entsetzen. Aber Hitler war schon in dieses Lügengespinst mit eingesponnen und zog es selbst mit durch. Bei späteren Tagungen der Luftwaffenführung entlud Hitler sich bei diesen Themen voller Wut und verlangte nach der sofortigen Umstellung der Produktionen auf althergebrachte Kampfflieger, die wenigsten sicher fliegen und von denen man weiß, was sie können. Die Weiterentwicklung dieser Wunderwaffen sollte nur "im kleinsten Rahmen erfolgen". Ende 1944 (1) fuhr Hitler den Generalstabschef Werner Kreipe scharf an, nachdem dieser die Verwendung der Me262 als Jagdflugzeug angesprochen hatte, und bezichtigte ihn der Kollaboration mit "unverantwortlichen Elementen in der Luftwaffe wie Milch und Galland". Er verbot sich gar in seiner Anwesenheit noch über Wunderwaffen zu sprechen, so enttäuscht war er. Aber dies muss man im richtigen Rahmen sehen: Nach dem Attentat fühlte sich Hitler von Verschwöreren umkreist, der Kriegsverlauf und die Situation im Reich selbst, sowie die falschen Versprechungen gingen ihm deutlich an die Nerven. 

 

(1) = Am 13.Oktober 1944 bekam Göring eine Denkschrift vom Chef des Generalstabs, Kreipe, vorgelegt in welcher eine Analyse zur Aussicht auf die ´Luftkriegführung 1945´ gegeben wurde. Hier wurde auch auf die bereits zur VerfÃ?gung stehenden sowie zu erwartenden "Sonderwaffen" hingewiesen - "nach derzeitigem Stande werden sie ihren Zweck nicht erfüllen können", da sie hinsichtlich ihrer Leistungen den Erfordernissen nicht gerecht werden. Die Lektü?re der Analyse bringt Göring so auf, das er das Memorandum zerreißt und Kreipe einen Verräter schimpft, weil er da schon feststellte, dass die Luftwaffe inzwischen den Status erreicht hatte, nurmehr noch eine Defensiv-Funktion einzunehmen und ihre Offensiv-Eigenschaften verloren habe. Entscheidende operative Fähigkeiten seien auch ferner nicht mehr mit den "Sonderwaffen" zu erwarten, da die Rückschläge zu folgenschwer waren und nurmehr der Luftwaffe 10 % der ehemals geplanten Mittel zur Verfügung stehen. In dieser aussichtslosen Lage reagierte Göring so - sein Kriegsherr bekam dieses Dokument nie zu Gesicht und die Lageeinschätzung wurde ihm durch Göring verschwiegen, der Angst um die Folgen hatte wenn Hitler ihn endgültig durchschaute. Damit wurde sinnbildlich die Luftwaffe von Göring selbst als Luftwaffenkriegsheld des 1.Weltkriegs zu Grabe getragen. Wer hier wirklich Verrat übte ist leicht zu sehen. Schließlichlich ließ sich Göring dazu hinab, seine Flieger schließlich gar "Feiglinge" zu schimpfen, die man mit der Flack am besten vom Himmel holt. 

 

Masse statt Klasse hieß schließlich der Slogan kurz vor dem Zusammenbruch. Hinzu kam im ´Fliegergeschäft´ ab 1944 in Deutschland das Problem der unzureichenden Ausbildung des fliegerischen Nachschubs, weswegen 2/3 (= 800 im Monat mit steigenden Zahlen zum Kriegsende hin) der neuen Piloten im Fronteinsatz aufgrund "menschlicher Schwächen" abgeschossen wurden - auch oft aufgrund einfach unzureichender Ausbildung auf dem Gerät. Um das harte Wort nicht zu verwenden, nannten einige Blindgänger diese dann "unvermeidbare Unfälle". Durch die Propaganda zog es aber dennoch viele Menschen in die Ausbildung als Flieger während alte Hasen unter den Luftkriegs-Piloten wie Günther Rall inzwischen zunehmend erkannten: Wir können nicht mehr gewinnen. Eine langsame moralische Aushöhlung lief aufgrund der eigenen Erfahrungen an. Der Nachwuchs erfuhr davon nichts und war noch glühend an der Fahne. Immer mehr amerikanische Flieger bemerkten, dass die Zahl der deutschen Jagdflieger, die ihr Heil in der Vermeidung von Luftkämpfen und in der Flucht suchten, statt sich zum Kampf zu stellen, beständig stieg. Die deutsche Kampfesmoral war zunehmend aufgebraucht. Rall: "Göring lebte in einer bizarren Traumwelt ohne Beziehung zur Wirklichkeit." Hierzu gab es aber auch ein handfestes technisches Problem in Sachen Bordwaffen-Potenzial: Während die Reichweiten der amerikanischen Luftabwehrmaschinengewehre in den angreifenden Bombern bei 1.000 Metern lag konnten die Bordwaffen der deutschen Jagdflieger gerade einmal auf 600 Meter effektiv sein - und im ganzen Krieg konnte diese Grenze nicht überwunden werden. Wichtig in diesem Rahmen auch zu wissen: Die "Wunderflieger" waren ebenso total ´untergerüstet´ in Sachen mitgeführter Waffen und Munition, weswegen die meisten nicht wirklich Kampfeinsätze flogen, sondern als "fliegende Kommissare" unterwegs waren und ihre Waffen eingebaute Filmkameras zur Beobachtung des Geschehens waren. Hubert Heckmann, Jagdflieger III./J.G.1, gestand nach dem Krieg ein, welches Verhaltensmuster schon im Mai 1944 in seiner Einheit unter der Hand den Neuzugängern geraten wurde: "Lieber fünf Minuten feige als ein Leben lang tot. Wenn du rechts von dir einen siehst, steigste aus. Wenn du links von dir einen siehst, steigste auch aus ..." 

 

Um dem Stress zu begegnen gab es auch zunehmenden intensiven Alkoholmissbrauch in den Luftflotten als Folge auch des zerfallenden sozialen Zusammenhalts in den Verbänden aufgrund der hohen Fluktuation. Es gibt kaum einen Jagdfliegerpiloten, der in seinen späteren Erinnerungen als Memoiren und Biographien nicht mit regelmäßigen Trinkgelagen bis hin zu Exzessen aufwarten kann. Aber dies war nicht nur bei der kämpfenden Truppe so, sondern auch ´heimlich´ bei der inneren Luftwaffenführung, die auch akzeptierte, wenn es schwere Trinkgelage gab, wenn man Beförderungen vergab. Schließlich hatten genau die selben Führungsoffiziere nichts besser zu tun, wenn sie selbst Abschüsse überlebten, schwere Verluste im eigenen Verband zu verdauen hatten etc. Gab es offizielle Nachfragen wegen diesem Problem durch die Schreibtisch-Hengste fernab, erklärte man den Alkohol-Konsum als teilweise notwendig um "gewisse Hemmungen zu beseitigen und eine optimistische Stimmung zu verursachen, die für den Luftkampf günstig ist". Wirklich! Und es ging auch durch, weil den Theoretikern wohl selbst die Flatter ging! Alkohol zur Beruhigung der Nerven ohne in einer lebensbedrohenden oder engen Situation zu sein, kennen sicherlich auch viele der Leser im Hier und Jetzt, genauso wie starker Tabakkonsum oder der Griff zu den harten Drogen. Dies als Flucht vor der Realität des Kriegs und seines Verlaufs. Gleichsam sang Göring Lobeslieder Ã?ber die deutschen Soldaten in Stalingrad, die da massenhaft verreckten während Göring noch von den heldenhaften Leistungen der Männer für das deutsche Volk schwärmte - ohne zu sagen, was wirklich los war. Doch als es nicht mehr anders ging und die Wahrheit Hitler bekannt wurde, vertraute dieser Göring nie mehr richtig. Warf ihm vor nur für sich selbst zu leben und zu ungenau unterrichtet zu sein, um es auch noch schönzureden. Soldaten, die es besser wussten verloren ihren Glauben. Mensch bleibt Mensch, 2006 oder 1945. Hitler selbst tobte immer mehr und warf der Luftwaffenführung vor einen Affenstall zu führen und selbst Vollidioten zu sein. 

 

Selbst Geschwaderkommodore Adolf Galland gestand später ein, sich zum Ende hin lieber sinnlos in Bars vergnügt zu haben, als in den Luftkrieg zu gehen und schließlich Lagebesprechungen mit "Über allem Maße verträglichen Cognac bewirtet" abgehalten zu haben. Sein Adjutant hielt über das ehemalige Flieger-Ass schließlich fest: "Nur im Casino ist er noch der Größte." Hintergrund: Göring hatte ihn abgesetzt, weil er von Göring "Einsicht in die vorliegende Situation" verlangt hatte. Göring selbst hatte für seine Flieger auf Heimaturlaub zu Silvester 1944 eine Schallplatte mit einer Aufsprache verschicken lassen, worauf er sein Soldaten wüst als "feige Verräter" zur weiteren Frontmotivation beschimpfte. Fassungslos nahmen die Soldaten dies entgegen und dies sorgte nur für weitere Demoralisierung. (1) Jagdflieger-General Werner Mölders führte sogar den Brauch ein, dass für jeden Abschuss 72 Flaschen Bier vom erfolgreichen Flugzeugführer ausgegeben werden mussten, um bis morgens um vier Uhr abgepumpt zu werden. Begründung: Zur Bildung der Gruppenidentität sei dies nötig. Name hierfür: "Kameradschaftliche Umtrünke." Die wenigen Ausnahmen waren "seelische Dickhäuter ohne Nerven", die mit der ständigen Dauerbelastung zwischen Leben und Tod zurecht kamen. "Man wurde in gewissem Sinne stumpf und apathetisch - und man soff sich abends von den seelischen Belastungen frei. Wir haben uns gestern wie jeden Abend vollaufen lassen bis Oberkante Unterlippe, nur um zu vergessen das von gestern, das von heute und das von morgen schon im Voraus. Weiber? Dazu haben wir weder Lust noch Zeit. Gelegentlich schon. Der Kater in der Frühe ist fast normal", wie Hans Halbey, Oberstleutnant III./J.G.1, in seinem Front-Tagebuch damals festhielt. Dies gehört eben auch zum Faktor Mensch. Und die soldatischen "Tugenden" wie Manneszucht, Heldenmut, Opfersinn und Kameradschaft gingen zunehmend den Bach runter. Die Militärpsychologie war in Berlin schließlich 1945 auch egal, da man seit geraumer Zeit schon auf die "psychotechnischen Prüfungen" von Flieger-Neulingen verzichtete und diese "Hokuspokus" nannte. Und die "Ritter der Lüfte" hatten eigene Probleme, wie erfahren, um die erkannte strategische Bedeutungslosigkeit der Luftwaffe in der Endphase ´aufzuarbeiten´. 

 

(1) = Dies ´passte´ gerade, weil Deutschland am 1.Januar 1945 den letzten Luftwaffengroßeinsatz gegen Frankreich und Belgien in der ´Operation Bodenplatte´ flog, um den Marsch auf Deutschland zu stören. Daraus entstand eine große Niederlage - 10 % der eigenen Verluste entstanden durch die deutsche (also eigene) Bodenluftabwehr, einfach weil man die Ã?ber den Einsatz nicht informiert hatte und die eben auf alle Flieger ballerte was die Rohre hergaben. Danach gab es im Reichsluftfahrt-Ministerium m assiven Widerstand gegen Göring und ein Oberer nannte ihn offen einen "Versager"! Göring drohte jenem mit der Erschießung vorm Haus, deswegen ballte er seine Hände in den Hosen und zog davon. Dieser Zwischenfall ging aber bald unter den Fliegern um und viele dachten damals: "Der Dicke muss weg!" 

 

Am 8.März 1945 forderte Göring seine restlichen Piloten zu einer "Geheimen Kommandosache" auf, um "alles zu riskieren" wenn sie in die Einsätze gingen, "aus denen Sie wohl nicht mehr zurückkehren werden". Dies war die Zeit wo man nichts mehr auf dem Teller hande, nackte Verzweiflung sprach aus diesem Befehl mit dem Rücken zur Wand und - vor dem Ende ohne Hoffnung noch einen Trumpf aus dem Ärmel ziehen zu können. So war es und nichts anders. Da waren zum einen die "Selbstopferungseinsätze" der Rammjäger im "Sonderkommando Elbe", als am 7.April 1945 183 deutsche Jäger aufstiegen, um sich auf amerikanische Bomber im Anflug nahe Hannover zu stürzen. Nur waren dies 1.300 Stück. Nach dieser Luftschlacht waren 77 deutsche Maschinen verloren - 23 US-Bomber. Derweilen ließ Göring seine geklauten Kunstschätze und Reichtümer aus Bunkeranlagen nahe Potsdam in Sicherheit bringen, da er schon für die Zeit nach dem Krieg plante. Der nächste letzte Luftschlag war die verrückte Idee aus Berlin, einen so genannten "Volksjäger", die He162, als letztes Aufgebot der deutschen Luftwaffe einzusetzen. Als immer klarer wurde, dass hochkomplizierte zweimotorige Strahljäger wie die Me262 nicht mehr in den geforderten Zahlen hergestellt werden konnten, veränderte sich die Rüstungsstrategie und man gab die Spezifikationen für ein qualitativ überlegenes, aber in der Fertigung einfachstes und unkompliziertes Flugzeug heraus. 

Quelle. CENAP-Archiv

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