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Samstag, 14. März 2015 - 14:15 Uhr

Astronomie - Eine großartige Komposition von neuen Sternen

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Diese dramatische Landschaft im südlichen Sternbild Ara (der Altar) ist ein Schatzkästchen von himmlischen Objekten: Sternhaufen, Emissionsnebel und aktive sternbildende Regionen sind nur einige der Reichtümer, die man in der Region beobachten kann, die ungefähr 4000 Lichtjahre von der Erde entfernt liegt. Dieses wunderschöne neue Bild ist die bisher detaillierteste Ansicht dieses Teils des Himmels und wurde vom VLT Survey Telescope am Paranal-Observatorium der ESO in Chile aufgenommen.
Im Zentrum des Bildes liegt der Offene Sternhaufen NGC 6193, der ungefähr dreißig helle Sterne enthält und das Herz der Sternansammlung Ara OB 1 bildet. Die beiden hellsten Sterne sind sehr heiße Riesensterne. Zusammen bilden sie die Hauptlichtquelle für den nahen Emissionsnebel NGC 6188, der im englischen Sprachraum wegen seines starken Kontrasts zwischen Hell und Dunkel auch als Rim-Nebel bezeichnet wird und den man rechts vom Sternhaufen sehen kann.
Eine Sternassoziation ist eine größere Gruppierung von lose gebundenen Sternen, die sich noch nicht vollständig von ihrem ursprünglichen Entstehungsort wegbewegt haben. OB-Assoziationen bestehen zum größten Teil aus sehr jungen blau-weißen Sternen, die ungefähr 100.000 mal heller als die Sonne und zwischen 10 und 50 mal massereicher sind.
Der Rim-Nebel ist die auffallend hevorstehende Wand zwischen dunklen und hellen Wolken, die die Grenze zwischen einer aktiven sternbildenden Region innerhalb der Molekül-Wolke mit dem Namen RCW 108 und dem Rest der Assoziation markiert [1]. Das Gebiet um RCW 108 besteht hauptsächlich aus Wasserstoff – der Hauptzutat der Sternbildung. Solche Gebiete werden auch als H II-Regionen bezeichnet.
Die ultraviolette Strahlung und intensive stellare Winde der Sterne von NGC 6193 scheinen die nächste Generation der Sternbildung in den umgebenden Wolken von Gas und Staub anzutreiben. Wenn Wolkenteile kollabieren, heizen sie sich auf und bilden schließlich neue Sterne.
Während die Wolke neue Sterne bildet, wird sie gleichzeitig von den Winden und der Strahlung, die von vorherigen Sternen ausgesendet wird, sowie durch heftige Supernova-Explosionen erodiert. Auf diese Art scheinen die sternbildenden H II-Regionen eine Lebenszeit von gerade einmal wenigen Millionen Jahren zu haben. Sternbildung ist ein sehr ineffizienter Prozess, bei dem nur ungefähr 10% des Materials zur Entstehung beitragen - der Rest wird in den Weltraum hinausgeblasen.
Der Rim-Nebel zeigt auch Anzeichen dafür, in einer frühen Phase von „Säulenbildung“ zu sein, was bedeutet, dass er in Zukunft damit enden könnte, ähnlich wie andere bekannte Sternbildungsregionen auszusehen, zum Beispiel wie der Adlernebel Messier 16, der die berühmten „Säulen der Schöpfung“ enthält, oder der Konusnebel, der Teil von NGC 2264 ist.
Dieses eindrucksvolle Bild wurde in Wirklichkeit aus mehr als 500 Einzelaufnahmen erstellt, die durch vier verschiedene Farbfilter mit dem VLT Survey Telescope aufgenommen wurden. Die Gesamtbelichtungszeit betrug mehr als 56 Stunden. Es ist die detailreichste Ansicht dieser Region, die man bisher gewinnen konnte.
Endnoten
[1] Außerdem hat dieser Nebel zusätzlich in bescheidenem Rahmen Bekanntheit unter Astronomen, weil ein früheres Bild als Cover der DVD der Softwaresammlung Scisoft verwendet wurde, die von der ESO zusammengestellt wurde und deren neueste Version vor wenigen Wochen herausgekommen ist. Er trägt deshalb auch den Namen Scisoft-Nebel.
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Der offene Sternhaufen NGC 6193 befindet sich im Sternbild Ara (der Altar). In dieser Aufsuchkarte ist er mit einem roten Kreis markiert (rechts oberhalb der Bildmitte). Die meisten der ebenfalls eingezeichneten sterne sind mit bloßem Auge in einer dunklen, klaren Nacht sichtbar. der sternhaufen selber ist mit einem kleinen Teleskop eifach zu beobachten, die ihn umgebenden schwach leuchtenden Gaswolken dagegen sind viel schwächer und für visuelle Beobachtung eine Herausforderung.
Quelle: ESO

Tags: Astronomie 

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